| Von Beruf: Walforscher
Es gibt Berufe, die gibt es
eigentlich gar nicht - wie zum Beispiel den des Walforschers. Diesen
Beruf wird man weder beim Arbeitsamt noch in den Stellenanzeigen
irgendeiner Zeitung finden. Der Grund dafür ist einfach:
Walforschung ist nur eine von vielen Disziplinen in der
Meeresbiologie. Ein Meeresbiologe kann sich in seiner Arbeit auf
eben Wale oder vielleicht auch Delphine spezialisieren und könnte
dann umgangssprachlich als Wal- oder Delphinforscher bezeichnet
werden.
Schaut man nun wieder in die Zeitung
oder fragt beim Arbeitsamt nach, wird man jedoch auch den Beruf des
Meeresbiologen nicht finden. Auch diese Berufsbezeichnung wird fast
nur in den Medien oder in der Umgangssprache verwendet. Wie aber
nennt man nun diese Leute wirklich, die sich mit der Meeresbiologie
beschäftigen und welchen Ausbildung haben sie hinter sich
gebracht?
Eigentlich ist der klassische
Meeresbiologe ein Diplom-Biologe (mit oder ohne Promotion), dessen
gewählte Spezialisierung die Meereskunde ist. Damit ist schon eine
der ersten Fragen auf dem Weg zu Meeresbiologen beantwortet:
Grundlage für eine berufliche Karriere in Sachen Meer ist ein
naturwissenschaftliches Studium - eben das
Biologiestudium.
Ohne Studium läuft (fast) nichts.... Das
Biologiestudium vermittelt zunächst die notwendigen Grundlagen und
die breite naturwissenschaftliche Basis für eine spätere Spezialisierung. Dies
gilt für die Zeit vom ersten Semester bis zum Ablegen des
Vordiploms. Wer dann im Hauptstudium meeresbiologisches Interesse
bekundet, muss aktiv werden. Nur wenige Universitäten in
Deutschland lehren Fächer aus der Meereskunde. Ganz oben steht
dabei das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der
Christian-Albrechts-Universität in Kiel (ehemals das Institut für
Meereskunde). Eine umfassendere und gründlichere Ausbildung als
hier wird nirgendwo geboten - vorausgesetzt, man wählt die
Hautstudienrichtung des "Biologischen Meereskundlers".
Diese Disziplin umfasst alle biologischen und nichtbiologischen Aspekte der Meereskunde. So werden am Leibniz-Institut für Meereskunde
zum Beispiel folgende Fächer gelehrt:
theoretische und physikalische Ozeanographie, Planktologie, Meereschemie,
Meeresphysik, Fischereibiologie, Meeresbotanik, marine Mikrobiologie und schließlich auch Meereszoologie.
Der Biologische Meereskundler muss alle genannten Fächer lernen. Ob er
danach eine realistische Chance auf eine Arbeit mit Meeressäugern
hat, hängt von den jeweils aktuell durchgeführten
Forschungsarbeiten am Institut ab. Wird dort zur Zeit keine
Forschung an Walen oder Delphinen durchgeführt, müssen Diplomanden
meistens für ihre Diplomarbeit (oder später auch Doktorarbeit) an
andere Institute im In- oder Ausland wechseln. Dies hat in erster
Linie mit den hohen Kosten und dem großen Aufwand einer
meeresbiologischen Forschungstätigkeit zu tun. Ohne eine bereits
bestehende Forschungsgruppe mit der Ausrichtung Wal- oder
Delphinforschung lassen sich nur ganz wenige Aspekte dieser Themen
wissenschaftlich fundiert bearbeiten.
Meeressäugerforschung
in Deutschland Vergleicht man Deutschland mit anderen Nationen,
wird schnell klar, dass
hier nur in relativ geringem Maße Meeressäugerforschung betrieben wird. Die
meisten Projekte und Arbeiten laufen an ausländischen Universitäten oder
Forschungseinrichtungen. Das hat pragmatische Gründe, schließlich sind vor
unserer Haustür gerade mal der Schweinswal, der Seehund und die Kegelrobbe
heimisch. Für alle anderen Forschungsobjekte müssen deutsche
Meeresbiologen die Koffer packen. Die schnelle Schlussfolgerung: "Dann gehe ich halt
direkt ins Ausland" ist in der Durchführung leider nicht so einfach. Entscheidet
sich ein Student für ein komplettes Studium im Ausland, sollte er wissen,
dass viele
ausländische Universitäten - insbesondere in Amerika - hohe Studiengebühren fordern
und in der Regel auch ein Auswahlverfahren durchführen. Die Anforderungen an Sprache und
Fachwissen sind entsprechend hoch. Dabei ist die Ausbildung noch nicht einmal
besser. Jeder amerikanische Student mit Bachelor-Abschluss (Vordiplom) in Kunst
und Psychologie kann im Hauptstudiengang Meeresbiologie studieren. Dagegen
vermittelt das Biologiestudium in Deutschland vom ersten Semester ab wichtige
und hier auch zwingend notwendige Grundlagenkenntnisse.
Absolviert man sein Studium also zunächst in Deutschland und möchte
erst danach - z.
B. für eine Diplom- oder Doktorarbeit - in Sachen Meeressäuger ins Ausland,
gestaltet sich die Sache schon einfacher. Mit dem vorhandenen Fachwissen öffnen
sich viele Türen. Doch benötigt man auch dann eine
Institution, die über eine freie Stelle verfügt und die anfallenden Kosten für ein eventuelles Forschungsvorhaben übernimmt.
Und was ist ohne Studium? Die einzige Möglichkeit außerhalb einer akademischen Laufbahn mit z. B.
Delphinen oder Walen in Berührung zu kommen, ist ein Praktikum oder eine
Ausbildung in einem Zoo oder Aquarium. Die Teilnahme an wissenschaftlichen
Projekten einer universitären Forschungseinrichtung ist auch dann in der Regel aus
Kosten- und Fachgründen nicht möglich. Die wenigen verfügbaren Plätze werden mit wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Studenten besetzt, die
zumindest grundlegende Kenntnisse in Naturwissenschaften haben
Im Ausland kann man jedoch ausgezeichnete Praktika in z.B. einem Sea Life Center in
England/Schottland oder im Monterey-Bay-Aquarium in Monterey / Kalifornien
machen. Voraussetzungen sind aber immer sehr gute Englischkenntnisse und zumeist
eine biologische Studienrichtung (wobei das Studium aber noch nicht
abgeschlossen sein muss). Eine Auswahl aktueller Praktikumsplätze gibt es auf
unserer Praktikumsseite.
Deutsche Institute mit meereskundlicher
Ausrichtung:
- Leibniz-Institut
für Meereswissenschaften / Kiel, an der Uni Kiel - Institut
für Meereskunde der Universität Hamburg - Alfred-Wegener-Institut
für Polarforschung / Bremerhaven
- Bundesforschungsanstalt für Fischerei / Hamburg - Forschungs-
und Technologiezentrum Westküste / Büsum (gehört zur Uni Kiel) - Institut für
Chemie und Biologie der Meere, an der Universität Oldenburg - Institut
für Ostseeforschung / Warnemünde, an der Uni Rostock - Bundesamt für Seeschifffahrt und
Hydrographie / Hamburg - Max Planck
Institut für Marine Mikrobiologie / Bremen - Zentrum
für Marine Tropenökologie / Bremen
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