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Fleischklops
auf Sendung Forschung
an und mit See-Elefanten
REPORTAGE
UND BILDER: UC SANTA CRUZ
Die Studenten
folgen einem ausgetretenen und matschigen Pfad entlang der Küste
von Ano Nuevo. Auf der Spitze einer Düne angekommen, verschaffen sie sich
einen Überblick über das Geschehen unter ihnen am Strand. In der
Gezeitenzone verlieren sich ein paar einzelne, männliche
See-Elefanten – dunkle und massige Flecken auf feuchtem Sand.
Etwas weiter
vom Wasser entfernt, direkt am Dünenrand, liegen einige Weibchen mit ihren
gerade entwöhnten Jungtieren. Ansonsten ist der Strand fast leer.
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Eine Robbenmutter mit ihrem gerade
entwöhnten Jungtier. Auf dem Kopf trägt das Weibchen eine
Sendereinheit, mit deren Hilfe die Reiseroute des Tieres über
Satellit verfolgt werden kann.
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Noch vor einigen
Wochen bedeckten hier die massigen Leiber mehrerer Hundert See-Elefanten
jeden freien Flecken Sand. Das Paarungsgeschäft und die
Jungenaufzucht waren in vollem Gange. Sich durch diese Szenerie
wogender Fettklopse
hindurch zu bewegen und an einem einzelnen Tier zu arbeiten, war für
Meeresbiologe Dan Costa und sein Robben-Team ein schwieriges und vor
allem gefährliches Geschäft. Ziel ihrer Arbeit war die Besenderung
einzelner See-Elefanten mit Satellitensendern – und das geht nur direkt
am Tier.
Ende Februar beginnt der Exodus der
Robbenweibchen ins offene Meer. Zurück bleiben ihre wohlgenährten
Jungen; dick und rund von der fettreichen Milch, die sie für einige
Wochen haben genießen dürfen. Einen Monat später, im März,
verlieren die Jungtiere ihr Babyfell, um dann irgendwann vom Hunger getrieben selber ins Meer zu gehen. Dort werden
sie über 90 Prozent ihrer gesamten Lebenszeit verbringen – wenn sie
ihre erste Reise denn überleben.
Der Treck durch die Dünen kommt zum Stehen, als die Forschergruppe ein
Robbenweibchen entdeckt, das im Rahmen des Telemetrie-Projektes
bereits untersucht wurde. „Sie sieht wirklich dünn aus,“ sagt Samantha
Simmons, Doktorandin an der UC Santa Cruz. Diese Mutter hat ihr
Junges bereits entwöhnt und es ist höchste Zeit, sie mit einem
Sender zu versehen. „Wir glauben, dass sie kurz vor dem Aufbruch
ins Meer steht,“ erklärt Simmons.
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Einheitlich
gekleidet in blau-goldenen U.C. Santa Cruz Windjacken, beginnen die
Studenten routiniert, die Ausrüstung des See-Elefanten-Weibchens
vorzubereiten. Am Fuße der Düne wird das mitgebrachte Material
gelagert – in unmittelbarer Nähe der Robbenmutter. Nicht weit
davon liegt ein kräftiger Robbenbulle, dessen Blick ein nur mäßiges
Interesse an dem Geschehen um ihn herum vermuten lässt. Doch das
vermeintlich unbeteiligte Verhalten kann sich in nur wenigen Sekunden ändern
und so muss mindestens ein Teammitglied alle See-Elefanten in der näheren
Umgebung ständig im Auge behalten.
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Ein junger See-Elefant wird gewogen
- argwöhnisch beäugt von seiner Mutter.
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Während
die Wissenschaftler ihre Gerätschaften vorbereiten, nähert sich
ein verlassenes Jungtier der Gruppe, um die Neuankömmlinge näher
zu beäugen. Aufgeregt prustet und schnaubt es vor sich hin. Seine
unbeholfenen Pirouetten und die hektischen Bewegungen seiner Flossen
beim Näherkommen schleudern haufenweise Sand auf die Messgeräte.
Der Kleine wird auf Distanz gehalten, denn auch er hat einiges an
Gewicht, dass er umherschmeißen könnte.
Ein leichtes Narkosemittel und das Robbenweibchen ist für die
Untersuchung und Ausrüstung vorbereitet. Samantha und ihre Kollegen
nehmen Blutproben, vermessen den Tierkörper und bestimmen mit Hilfe
eines Ultraschallgerätes die Dicke der Speckschicht. Als nächstes
werden die Fellbereiche gereinigt, an denen zwei Sender befestigt
werden sollen. Einer davon klebt direkt auf dem Kopf und enthält
neben verschiedenen Mess-Sensoren eine Satelliteneinheit. Diese
Einheit wird Aufschluss über die Reiseroute des Weibchens geben. Das zweite und größere
Instrument sitzt auf dem Rücken und umfasst neben einem VHF-Sender
auch einen Fahrtenschreiber. Der Radiosender hilft den
Wissenschaftlern, das Tier – und später auch die Messeinheit –
am Strand einzupeilen. Der
Fahrtenschreiber entspricht in etwa der Blackbox eines Flugzeugs. Er
zeichnet detailliert das genaue Tauchverhalten der Robben auf und
erfasst auch verschiedene ozeanographische Daten wie Temperatur oder
Lichtintensität. Über die Eindringtiefe des Lichts können die
Forscher zum Beispiel die ozeanische Produktivität messen.
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Nachdem
der Zwei-Komponenten-Kleber auf Fell und Messeinheiten aufgebracht
worden ist, werden die Geräte fixiert. Noch wirkt das Sedativum, so
dass der Kleber genug Zeit zum Trocknen hat, bevor die beleibte
Robbendame sich auf den Weg ins Meer macht. Samantha zieht sich mit
ihrem Team ein paar Meter weiter in die Dünen zurück. Trotzdem
muss sie jederzeit verhindern können, dass das Weibchen noch unter
dem Einfluss des Betäubungsmittels ins Wasser taucht. Doch wie es
aussieht, denkt die Robbenmutter noch gar nicht an Aufbruch. Nach
einer halben Stunde und ein paar Portraitphotos zur späteren
Identifikation der Tiere macht sich das Team der UC Santa Cruz auf
den Heimweg.
Es war die letzte
Besenderung für dieses Jahr. Doch damit beginnt auch die
eigentliche Arbeit der Wissenschaftler: das Sammeln, Aufbereiten und
die Interpretation der immensen Datenfülle, die von den tierischen
Kollegen auf See fortwährend angeliefert werden.
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Die Westküste Amerikas: von der
Montereybucht in Kalifornien aus erstreckt sich eine weiße Linie in
den Pazifik. Sie zeigt die Reiseroute eines weiblichen
See-Elefanten.
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Den See-Elefanten
ist ihre Bedeutung als wissenschaftliche Hilfskräfte natürlich
nicht bewusst. Sie gleiten trotz ihrer massigen Körper fast schwerelos durch den Pazifik, legen
dabei enorme Strecken zurück, erreichen Tauchtiefen, die das Limit
der meisten U-Boote übersteigt und öffnen unsere Augen für eine verborgene
Welt.
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Infos zu TOPP Das Forschungsprojekt TOPP (Tagging
of Pacific Pelagic) hat die genauere Erforschung des Pazifik und
einzelner Lebensräume zum Ziel. Dazu wurden aus verschiedenen
Ökosystemen 21 zentrale Tierarten ausgewählt, um mit ihrer Hilfe
ozeanographische Daten telemetrisch zu erfassen. TOPP ist ein
Pilotprogramm im Rahmen des internationalen "Census of Marine
Life" (COML) und wird durch Wissenschaftler aus aller Welt
sowie von folgenden Forschungseinrichtungen getragen: Stanford`s
Hopkins Marine Lab, University of California, Santa Cruz`s Long
Marine Laboratory, NOOA´s Pacific Fisheries Ecosystem Lab, Monterey
Bay Aquarium.
Originaltext und weitere
Informationen: www.toppcensus.org
Alle Bilder Copyright
durch TOPP
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