BREMERHAVEN, 8. September
2005 - Auf
der dreiwöchigen Expedition kommt modernste Tiefsee-Technologie zum Einsatz.
Das unbemannte Tauchfahrzeug "Victor 6000" ist rund
viereinhalb Tonnen schwer, kann bis zu 6000 Meter tief tauchen und
bleibt während der Tauchfahrt über ein Steuerungskabel mit dem
Mutterschiff verbunden (ROV = Remotely Operated Vehicle). Der mit
Kameras und Greifarmen ausgerüstete Tauchroboter wurde bereits
mehrfach erfolgreich auf dem deutschen Forschungseisbrecher
"Polarstern" und der französischen "L'Atalante"
eingesetzt. Zusätzlich ist bei der jetzigen Expedition ein
autonomes Tiefseefahrzeug (AUV = Autonomous Underwater Vehicle) des
Alfred-Wegener-Instituts mit an Bord. Im Unterschied zu "Victor
6000" ist das AUV nicht über ein Kabel mit dem foschungsschiff
verbunden, sondern fährt selbstständig
vorprogrammierte Kurse bis in Tiefen von 3000 Meter. "Diese
Kombination von ROV und AUV hat vor uns noch kein anderes deutsches
Team realisiert", erläutert Dr. Michael Klages, Fahrtleiter
und Leiter der Sektion "Unterwasserfahrzeuge und
Tiefsee-Technologie" am Alfred-Wegener-Institut. "Die enge
Kooperation mit unseren französischen Kollegen und Kolleginnen hat
uns dazu verholfen, eine der Arbeitsgruppen in Deutschland zu sein,
die nicht nur auf die meisten Taucheinsätze mit einem Tiefsee-ROV
zurückblicken kann, sondern hier mit einer erreichten Tiefe von 5550
Metern auch einen Tiefenrekord hält."
Als ersten Untersuchungsstandort läuft die "L'Atalante"
den in 1250 Metern Tiefe aktiven Håkon Mosby Schlammvulkan vor der
Küste Norwegens an. Aus dem 500 Meter großen Zentralkrater des
Schlammvulkans entweicht das Treibhausgas Methan. Das
wissenschaftliche Interesse gilt den an der Austrittsstelle
angesiedelten Mikroorganismen, die das Methan abbauen, indem sie es
als Energiequelle nutzen. Mit "Victor 6000" sollen
Bodenproben genommen, die darin lebenden Bakterien im Labor
kultiviert und weiter untersucht werden.
Der zweite Anlaufpunkt der "L'Atalante" ist die 1999 in
Betrieb genommene Tiefseestation "Hausgarten" an der
Schnittstelle zwischen dem nördlichen Atlantik und dem arktischen
Ozean in den Gewässern vor Spitzbergen. Über Experimente am
Meeresboden und Langzeituntersuchungen wollen die Forscher den
Ursachen für eine unerwartet hohe Artenvielfalt am Boden der Tiefsee auf die
Spur kommen. Erste Anzeichen einer Erwärmung in 2500 Metern Tiefe
deuten bereits darauf hin, dass sich der globale Klimawandel auch in
der Tiefsee bemerkbar macht. Wie Tiefseeökosysteme hoher
geographischer Breite auf die Erwärmung reagieren und wann ihre
Belastungsgrenzen erreicht werden, sind offene Fragen, die es durch
diese Langzeituntersuchungen ebenfalls zu klären gilt.
Die vom Alfred-Wegener-Institut und dem französischen Institut für
Meeresforschung Ifremer organisierte Expedition setzt die
erfolgreiche deutsch-französische Kooperation zwischen den beiden
Forschungsinstituten fort und ist ein wichtiger Beitrag zu dem von
der Europäischen Union geförderten Projekt HERMES (Hotspot
Ecosystem Research at the Margins of European Seas). 45
Projektpartner aus 15 europäischen Ländern untersuchen die
Artenvielfalt in verschiedenen Tiefseeregionen des europäischen
Kontinentalrandes. Auf der "L'Atalante" sind neben dem
Alfred-Wegener-Institut und dem Ifremer das Max-Planck-Institut für
marine Mikrobiologie in Bremen und die Universität Gent vertreten.
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| Der vier Tonnen
schwere "Victor 6000" ist mit modernsten Kameras und
Probennahmegeräten ausgerüstet; zwei Greifarme ermöglichen
das gezielte Absetzen von Messgeräten und die Entnahme von
Proben am Meeresboden. |
| Foto:
Alfred-Wegener-Institut |
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