|
007
unter Wasser Die
Anti-Terror-Delphine der U.S.-Navy
Das
Ganze geschieht fast ebenso schnell wie vom Taucher zunächst
unbemerkt. Der auf Unterwassereinsätze spezialisierte
Terrorist hatte gerade eine Sprengmine in acht Meter
Wassertiefe deponiert, direkt unter dem Schiffsboden einer
US-amerikanischen Fregatte. Der Zeitzünder war aktiviert und
der Taucher bereits auf dem Rückzug, da nähert sich von
hinten ein dunkler Schatten. Noch ehe der Terrorist reagieren
kann, schließt sich ein handschellenartiger Metallring um
seinen rechten Fuß – daran befestigt: ein fester
Metalldraht. Ein zweiter Schatten taucht aus dem trüben
Wasser auf und gleitet hinab zur Mine am sandigen Meeresgrund.
Es ist ein Delphin, der direkt neben dem Sprengkörper ein
starkes LED-Blitzlicht absetzt. Zusammen mit dem Seelöwen,
der die Fesselleine am Fuß des Tauchers appliziert hat, macht
sich der Tümmler zurück auf den Weg an die Meeresoberfläche.
|
 © Ozeane.de
|
Dort
werden beide Tiere bereits von Marinesoldaten der U.S. Naval Base
Point Loma in San Diego erwartet, in einem Schlauchboot aufgenommen
und in Sicherheit gebracht. Der Rest ist einfach. Wie ein Fisch am
Haken wird der gefangene Terrorist von einem Kampfschwimmer-Team auf
einem zweiten Boot heraufgezogen und gefangengenommen.
Science
Fiction? Action-Szene aus einem neuen James Bond Film? Nein, Realität
in Kalifornien, San Diego, U.S.A. Dort stehen 75 Delphine und 25
kalifornische Seelöwen im Dienste der amerikanischen Marine. In
einer Welt mit Hightech-Sensoren und Unterwasserrobotern bilden die
Meeressäuger die effektivste Abwehrkette im Kampf gegen Terroristen
im Tauchanzug. „Sie sind besser als alles, was wir selbst bisher für
den Unterwassereinsatz entwickelt haben,“ sagt Mike Rothe,
Chef-Wissenschaftler des Meeressäugerprogramms der U.S.-Navy, in
dem die Delphine und Ohrenrobben für den Schutz militärischer
Anlagen ausgebildet werden.
Schutz
bedeutet jedoch nicht den direkten Angriff von Eindringlingen durch
die intelligenten Tiere. Sie sollen Gefahrenquellen und Bedrohungen
vielmehr aufspüren und erkennen – sei es in Form von Minen,
Tauchern oder Schwimmern. Den Job machen die beiden Tiergruppen
dabei in Arbeitsteilung. Mit ihrer hoch entwickelten Echolot-Ortung
sind die Delphine vor allem für das Aufspüren von Sprengkörpern
zuständig. Einmal gefunden, setzen sie Blitzlicht-Marker in der Nähe
einer Mine ab und weisen so den menschlichen Tauchern den Weg.
Die
kalifornischen Seelöwen können zwar auch Gegenstände orten, sind
aber im Handling von Dingen etwas geschickter. Sie nehmen z. B. an
der Meeresoberfläche mit ihrem Maul eine Videokamera auf, tauchen
ab und ermöglichen damit den Soldaten, einen Überblick über
potentielle Gefahrensituationen unter Wasser zu erhalten. Zudem
werden die Robben dafür ausgebildet, verlorengegangenes Material
wie beispielsweise Unterwasserdrohnen zu bergen – oder eben eine
Fesselleine an einem Taucher zu befestigen.
Das
Meeressäugerprogramm der Navy ist nicht neu, sondern startete
bereits in den späten 1950er Jahren. Während der Zeit des Kalten
Krieges umfasste die Meeressäugergruppe der U.S.A. bis zu 140 aktive Tiere,
bis auf zwei Weißwale alles Große Tümmler und kalifornische
Seelöwen. Damals halfen Delphine zum Beispiel bei der Bewachung von
Anlegern und Schiffen im Vietnam-Krieg. Ihren letzten Übersee-Einsatz
hatten die amerikanischen Tiere 2003 im irakischen Hafen Umm Qasr,
wo sie bei der Ortung von Seeminen halfen und den U.S.-Marines
freien und gefahrlosen Zugang zum Land ermöglichten.
Dass
die Navy-Delphine und -Seelöwen aus San Diego gerade wieder in den
Blickpunkt der amerikanischen Öffentlichkeit gerückt sind, hängt
mit Plänen der Marine zusammen, 30 Delphine zum Schutz der Naval
Base Kitsap-Bangor im U.S.-Bundesstaat Washington einzusetzen. Dort
sind neben nuklear getriebenen U-Booten auch eine Vielzahl von
Navy-Schiffen stationiert.
Tierschützer
kritisieren, dass die marinen Bodyguards aus dem Sonnenstaat
Kalifornien die kalten Gewässer vor Washington nicht gewöhnt
seien, erkranken können oder möglicherweise auch Krankheiten auf
die lokale Schwertwal-Population übertragen. Militärtierärztin
Dr. Stephanie Wong versichert jedoch, dass die Tiere fortlaufend
medizinisch überwacht würden und frei von Krankheiten seien.
Auch
den Vorwurf, die Meeressäuger würden heimlich für den
Unterwasserangriff auf feindliche Objekte trainiert, weisen die
Militärs zurück. Dies geht schon aus Gründen der eigenen
Sicherheit nicht. So kann ein Delphin bzw. Seelöwe nicht
verlässlich zwischen
freundlichen und feindlichen Zielen unterscheiden. Bei anfänglichen
Versuchen direkt nach dem Start des Projektes kam es regelmäßig zu
Situationen, bei denen die Delphine "scharfe" Übungsminen
auf das Schlauchboot der eigenen Truppen zurückbrachten. Im
Ernstfall ein tödliches Risiko, dass sich die Marines natürlich
nicht leisten können.
Nachdem
das Militär bereits Ende der 1990er Jahre dachte, es könne die
Delphine und Seelöwen in Rente schicken und durch neue Technologien
ersetzen, hat sich diese Erwartung bis heute nicht erfüllt. In
Sachen Ortung und Tauchkapazität sind die Tiere bisher nicht zu
schlagen. So läuft das militärische Meeressäugerprogramm im Süden
Kaliforniens zunächst noch bis zum Jahre 2012 weiter.
Weiterführende
Links Link
startet Download eines kurzen Videos: Navy
Marine Mammal Project Homepage
des Marine Mammal Projects in San Diego
Homepage
der Naval Base in Washington, U.S.A.
|