Tod am Jangtse
Wuhan, China, 13. Dezember 2006 – Eine von weltweit nur fünf Flussdelphin-Arten, der Baiji-Delphin, gilt nach Meinung von Experten als ausgestorben. Eine wochenlange Suchexpedition auf dem chinesischen Fluss Jangtse blieb erfolglos. Wissenschaftler des Instituts für Hydrobiologie in Wuhan und internationale Experten aus sechs Ländern hatten über anderthalb Monate den einzigen Lebensraum des Baiji-Delphins abgesucht, ohne auch nur einen Hinweis auf überlebende Tiere zu finden.

An Bord zweier Forschungsschiffe waren die Biologen fast 3.500 Kilometer von Yichang in der Nähe des Drei-Schluchten-Staudamms bis nach Shanghai in das Jangtse-Delta und wieder zurück gereist. Dabei setzten sie neben Spektiven und Hochleistungsferngläsern auch Unterwasser-Mikrofone für Ihre Suche ein. "Es ist möglich, dass wir vielleicht ein oder zwei Delphine übersehen haben," sagte August Pfluger, Vorsitzender der Schweizer Baiji.org-Stiftung und Mitinitiator der Expedition. "Doch selbst wenn dies so sein sollte, so haben diese Tiere keine Chance, sich fortzupflanzen und so die Art zu erhalten. Wir müssen akzeptieren, dass der Baiji-Delphin praktisch ausgestorben ist. Das ist eine Tragödie und ein Verlust nicht nur für China, sondern für die ganze Welt," erklärte Pfluger am Mittwoch in Wuhan.  

Die Suche nach den letzten Exemplaren dieser Art war vom chinesischen Landwirtschaftsministerium geleitet worden. Beteiligt waren unter anderem Wissenschaftler vom Schweizer Wasserforschungsinstitut (Eawag), der amerikanischen "National Oceanic and Atmospheric Administration" (NOAA), des Hubbs-Seaworld Instituts in San Diego sowie der japanischen Behörde für Fischerei & Forschung.

Am tragischen Schicksal des Baiji-Delphins trägt wohl allein der Mensch Schuld. Die Ausrottung des aquatischen Säugers geht auf die Zerstörung seines Lebensraumes, die illegale Fischerei und Schiffskollisionen zurück. In China als "Gott des Jangtse" betrachtet, war der 20 Millionen Jahre alte Baiji zuletzt eine der ältesten noch lebenden Tierarten auf der Erde. Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lebten im Jangtse noch über 400 Baiji-Delfine. Schnell aber wurde der Flussdelphin Opfer von Chinas rapide wachsender Wirtschaft. Die letzte bestätigte Sichtung eines Tieres gab es im September 2004. QiQi, ein Delfinmännchen, das 1980 gerettet wurde, starb im Juli 2002 im Institut für Hydrobiologie in Wuhan. 

Der Baiji war jahrelang Gegenstand erhitzter Debatten zwischen chinesischen und westlichen Wissenschaftlern. Insbesondere nach 1990 gab es heftige Diskussionen um mögliche Schutzmaßnahmen zur Rettung des Flussdelphins. "Nun müssen wir nicht mehr diskutieren. Wir haben das Rennen verloren. Den Baiji gibt es nicht mehr," so August Pflugers ernüchternde Bilanz.   

Links:
Schweizer Baiji.org-Stiftung
Hubbs Seaworld Research Institute

Japanese Fisheries Research Agency
Schweizer Wasserforschungsinstitut
Chinese Institute for Hydrobiology
National Oceanic & Atmospheric Administration

 


Der Baiji - kennzeichnendes Merkmal war seine lange, schlanke Schnauze und die hohe Stirm.                                    © baiji.org

 


Expedition auf dem Jangtse – 3.500 Kilometer lange Suche nach Überlebenden    © baiji.org

 


Dr. Brent Stewart from Hubbs Seaworld Institut in Amerika war einer der zahlreichen Experten an Bord.                           © baiji.org

 


Der Jangtse: ehemaliger Lebensraum des Baiji-Flussdelfins                       © baiji.org

Quelle: baiji.org   All pictures © by baiji.org