Weltweite Kampagne gegen Walfang gestartet

Wissenschaftler und Umweltschützer machen sich stark gegen die Jagd auf Wale und werfen den Walfangnationen grausame Tötungsmethoden vor.

09. März 2004 – Mit einem aktuellen Walfangbericht startet heute ein eine internationale Kampagne gegen den kommerziellen und wissenschaftlichen Walfang. Der Bericht mit dem Namen „Troubled Waters“ liefert praktische und wissenschaftliche Beweise für die Grausamkeit heute immer noch praktizierter Walfangmethoden. Allein dieses Jahr werden von den drei großen Walfangnationen Japan, Norwegen und Island mehr als 1.400 Wale zu kommerziellen Zwecken oder unter Vorgabe wissenschaftlicher Gründe getötet.  

In seinem Vorwort zum Walfangbericht schreibt der englische Naturschützer und Dokumentarfilmer Sir David Attenborough, dass harte wissenschaftliche Fakten belegen, dass das Töten eines Wales im stets grausam und über alle Maßen leidvoll sei.     

Ein in seiner Größe einmaliges Bündnis von 140 unabhängigen Organisationen aus über 55 Ländern nimmt an der Kampagne gegen den Walfang teil. Auf diese Weise soll massiver Druck auf die Internationale Walfang Kommission (IWC) ausgeübt werden, den sofortigen Stopp des kommerziellen und wissenschaftlichen Walfangs zu verfügen und die grausamen Tötungsmethoden als einen vorrangigen Themenpunkt auf der nächsten IWC-Tagung im Juli 2004 in Sorrento, Italien mit aufzunehmen.

Peter Davies, Vorstandsmitglied der „World Society of Protection of Animals“ (WSPA), einer der führenden Gruppen und Initiatoren der Kampagne, sagt: “Die ganzen Diskussionen um Populationstatistiken einzelner Walarten hat in den letzten Jahren einen Punkt völlig in den Hintergrund rücken lassen: die grausame Art und Weise, mit der jedes einzelne Tier getötet wird. Ob es nun um einen oder aber um Tausende Wale geht – der Walfang ist allein aufgrund seiner Grausamkeit falsch und zu verurteilen.“

Obwohl bereits 1986 ein weltweites Walfangverbot erlassen wurde, sind seit Inkrafttreten dieses Verbotes über 20.000 Wale getötet worden. Norwegen und Japan haben darüber hinaus immer ihre Absicht bekräftigt, den Walfang und den kommerziellen Handel mit Walfangprodukten langfristig zu betreiben.

Die Technologien des Walfangs haben sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts kaum geändert, als mit Granaten bestückte Harpunen eine neue Ära einläuteten. Die Explosivharpunen sind so konzipiert, dass sie in den Walkörper eindringen, bevor sie detonieren. Die inneren Verletzungen und der physische Schock der Explosion sollen dann möglichst schnell zum Tode führen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Im stark bewegten Medium Meerwasser ist von Schiffsseite aus nur selten ein „sauberer“ Schuss auf den – sich natürlich ebenfalls bewegenden – Wal zu erreichen. Die Wirkung der Explosivgeschosse verfehlt häufig die lebenswichtigen Organe, so dass die Tiere schwer verletzt einen Todeskampf von bis zu einer Stunde führen. Dass dies nicht die Ausnahme ist, zeigen die Statistiken der Walfangnationen selbst: Norwegen berichtet, dass 2002 jeder fünfte Wal nicht sofort getötet werden konnte. Japan berichtet sogar von 60% der Tiere, die 2002/2003 nur angeschossen aber nicht direkt getötet werden konnten.   

Ziel der internationalen Anti-Walfang-Kampagne wird nach Angaben der Initiatoren nicht die Diskussion um die Qualität einer grausamen Handlung wie das Harpunieren mit Explosivgeschossen stehen. Nach Sir David Attenborough steht dies völlig außer Frage. Eindrucksvoll illustriert wird die Haltung der Tierschützer durch einen Auszug aus dem Schiffstagebuch des Engländers Harry Lillie, der 1940 als Schiffsarzt auf einem Walfangschiff in der Antarktis die Methoden der Waljagd selbst erleben konnte. Er schrieb: „Stellen sie sich ein Pferd vor, dass mit zwei oder drei Explosivharpunen in seinem Leib eine Brauereikutsche durch die Straßen von London zieht. Dabei läuft sein eigenes Blut literweise in den Rinnstein. Jetzt haben sie eine Idee davon, wie Walfang aussieht.“

Mehr Informationen zur internationalen Kampagne gegen den Walfang finden Sie unter
http://www.whalewatch.org