Der explodierende Wal

TAIWAN, 30. Januar 2004 – Auf offener Straße explodierte ein toter Pottwal beim Abtransport zu einem Forschungszentrum in der südtaiwanesischen Stadt Tainan. Fußgänger und vorbei fahrende Autos wurden förmlich mit Blut und Eingeweiden überschüttet. Den 50 Tonnen schweren Wal hatte eine Spedition auf einem offenen LKW-Auflieger transportiert.  

Der Pottwal war einige Tage zuvor an einem Strand in der Nähe Tainans angespült worden und dort verendet. Wissenschaftler wollten das gut erhaltene Tier für Forschungs- und Ausbildungszwecke nutzen. Für Meeresbiologen war die Ursache der Walexplosion schnell klar. Gase, die beim Verwesungsprozess im Körperinneren gebildet werden, hatten den Walkörper stark unter Spannung gesetzt. Die feste Haut- und Fettschicht des Meeressäugers konnte dem Druck noch eine Weile standhalten, barst aber unglücklicherweise genau zum Zeitpunkt des Transportes. Das Problem der Verwesungsgase bei toten Walen  ist nicht unbekannt. Wissenschaftler warnen gerade bei Strandungen von Großwalen, sich den Tieren zu nähern. Schaulustige, die nicht selten auf die Tiere klettern, begeben sich sogar in Lebensgefahr.     

In Tainan war die Explosion des 17 Meter langen Pottwales weniger eine gefährliche denn eine Ekel erregende Angelegenheit. Der LKW mit dem toten Tier wurde von zahlreichen Neugierigen begleitet. Nur wenige von ihnen blieben deshalb von dem herumspritzenden Blut verschont. Anwohner und Geschäftsinhaber um den Explosionsort konnten aufgrund des starken Verwesungsgeruches nur mit Masken die Aufräum- und Reinigungsarbeiten beginnen. Professor Wang Chien-Ping von der National Cheng Kung Universität in Tainan sagte, dass trotz der Explosion des Tieres noch genug Material für meeresbiologische Forschungszwecke vorhanden sei.