Unterwasserlärm schädigt Wale

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen immer deutlicher den negativen Einfluss von Unterwasserlärm auf Wale und andere Meeressäuger.

25.07.04 , Sorrento, Italien – Auf ihrer jährlichen Tagung betonte die Internationale Walfangkommission (IWC) erneut, dass der militärische Sonareinsatz sowie die Öl- und Gasförderung im Offshore-Bereich eine besondere Bedrohung für Meeressäuger darstellen.

Die Anzahl gestrandeter Wale stellt nach Angaben von Wissenschaftlern nur einen Bruchteil der tatsächlich durch Unterwasserlärm getöteten Tiere dar. Meeresbiologen und Umweltschützer fordern deshalb die Einrichtung besonders geschützter Gebiete. Nach einem Bericht der wissenschaftlichen Kommission des IWC gibt es erdrückende Beweise dafür, dass ganze Meeressäugerpopulationen durch Lärmeinwirkungen in ihrem Bestand gefährdet sind. 

Die IWC führt in ihrem dazu Bericht aus: „Insbesondere die ungewöhnlich zahlreichen Massenstrandungen von Schnabelwalen sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Folge militärische Sonareinsätze. Die Belege dafür sind erdrückend. Dabei sind in der Folgeabschätzung menschlicher Lärmquellen noch nicht einmal die Tiere berücksichtigt, die durch den Lärm sterben aber nicht stranden“. 

Anfang Juli hatten sich etwa 200 Breitschnabeldelphine in den flachen Küstengewässern Hawaiis verirrt – genau zu dem Zeitpunkt, als die US-Marine zusammen mit Japan in der Nähe Manöver durchführte. Eine mögliche Ursache ist der Einsatz mittelfrequenter Sonargeräte.

Der IWC-Bericht führt aber auch die negativen Folgen der Erdöl- und Gasförderung auf. Er nennt einen Zwischenfall, bei dem im Jahr 2002 eine ungewöhnlich hohe Zahl von Buckelwalen an der brasilianischen Küste gestrandet war. Die Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang mit der Erkundung von Erdöl- und Gaslagerstätten, bei der zum damaligen Zeitpunkt starkfrequente Pulsgeneratoren eingesetzt wurden.

Die Wissenschaftskommission der IWC fordert in Folge ein "energisches und sofortiges Handeln“. Dies gilt vor allem für die gefährdete Grauwalpopulation im westlichen Nordpazifik. Sie besteht nur noch aus 100 Tieren, darunter 23 Weibchen im gebärfähigen Alter. Die internationale Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) fordert speziell das Unternehmen Royal Dutch Shell auf, ihr Ölförderprojekt im Osten Russlands einzustellen, nachdem die IWC dieses als direkte Bedrohung für die dortige Grauwalpopulation eingestuft hatte. Eine weitere Forderung der IWC sind verstärkte Untersuchungen zur Ausweisung von Schutzgebieten, in denen Meeressäuger von Unterwasserlärm unbeeinflusst bleiben.

Quelle: BBC