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Seelöwe
auf Wanderschaft
Ein Seelöwe
auf dem Highway stoppte Montagmorgen die Fahrt eines
Amerikaners nahe der kalifornischen Stadt Los Banos. An sich
keine spektakuläre Geschichte, hätte sich das Tier nicht im
Landesinneren, auf halbem Wege zwischen dem Pazifik und dem
Yosemite Nationalpark, befunden – über 100 Kilometer von
der Küste entfernt. |

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SAUSALITO, CA, U.S.A, 11. Februar 2004 -
„Sie werden es nicht glauben,
aber gerade wurde ein Seelöwe auf dem Highway gemeldet“, so der
Funkspruch der Polizeileitzentrale von Los Banos, kurz nach Sieben
Uhr morgens. Die beiden Officer Patrick Dayton und Barry Mann waren
die ersten Polizisten vor Ort und sahen sich einer Robbe von
stattlichen 140 Kilogramm Lebendgewicht gegenüber. Das Seelöwenmännchen
spazierte in aller Seelenruhe die zu diesem Zeitpunkt noch wenig
befahrene Strasse hinunter.
Mit Hilfe von Kollegen dirigierten
die überraschten Polizisten die Robbe auf den Seitenstreifen –
doch nur für kurze Zeit. Das reiselustige Tier entschied, dass die
aufgehende Sonne Kaliforniens am besten von einem erhöhten
Aussichtpunkt zu genießen sei und stieg auf den Kofferraum eines
Polizeiwagens. Dort hatte Chippy, wie die Polizisten ihn
mittlerweile getauft hatten, die Lage voll unter Kontrolle – was
in jeder Hinsicht seinem natürlichen Verhalten entsprach. Auch im
Freiland suchen sich Seelöwen gerne exponierte Plätze, um mögliche
Gefahren frühzeitig erkennen zu können.
Professionelle Hilfe nahte schließlich
in Form von Wissenschaftlern der Naturschutzbehörde und des Meeressäugerzentrums
in Sausalito. „Normalerweise ist das hier keine Gegend, in die wir
hinaus fahren müssen“, sagte Assistentin Isabelle Magnin. „Der
Seelöwe muss über viele Kanäle vom Meer aus hierher gelangt
sein“. Erst gegen Mittag gelang es mit Hilfe von zehn Mann, Chippy
wieder auf die Strasse und von dort in eine Transportkiste zu befördern.
Die Rückreise Richtung Pazifik konnte das Tier dann – kostenlos
und weniger anstrengend als die Hinreise – auf einem LKW genießen.
In der meeresbiologischen Station „Moss Landing Marine Labs“,
inmitten der Monterey Bucht, wurde Chippy zunächst auf seinen
Gesundheitszustand untersucht. Dabei fanden die Meeresbiologen und
Veterinnärmediziner heraus, dass im Nacken des Seelöwen eine
Gewehrkugel steckte.
Weitere
Untersuchungen sollen nun zeigen, ob das Tier dadurch seine
Orientierung verlor oder vielleicht durch Hunger getrieben einfach
flussaufwärts schwamm. „Chippy hat sich direkt mit
den Seelöwen in den Nachbarbecken angefreundet und es scheint ihm
wirklich gut zu gehen“, sagte Cynthia Schramm, Mitarbeiterin des
Meeressäugerzentrums am Dienstag. Ihrer Schätzung nach sind über
acht Prozent der dort behandelten Seelöwen Opfer von
Schussattacken. Ursache dafür sind zumeist lokale Fischer, die die
geschützten Meeressäuger von ihren Netzen und Fischgründen fern
halten wollen. |