Protest gegen neuseeländische Delphinforschung

Meeresbiologen, Tierschützer und Umweltschutzorganisationen in Neuseeland schlagen Alarm: Wissenschaftler der neuseeländischen Umweltschutzbehörde (Department of Conservation) wollen Satellitensender mit Magnesiumbolzen an den Rückenflossen von Hector-Delphinen befestigen.

Auckland, Neuseeland, 23. Februar 2004 – Was grundsätzlich als gelungene Kombination von Tierschutz und modernster Technologie gilt, ist in bestimmten Fällen auch unter Fachleuten noch äußerst umstritten: die Satellitentelemetrie bei Meeressäugern. Die Ausrüstung von Walen, Delphinen und Robben mit Sendern oder auch Fahrtenschreibern trägt wie keine andere Methode zur Aufklärung der Bedürfnisse und Lebensweise mariner Säuger bei. Problematisch sind jedoch immer noch einige methodische Ansätze bei der Befestigung der wissenschaftlichen Instrumente. Lassen sich die Sender zum Beispiel bei Robben problemlos – und langfristig auch rückstandsfrei – ins Fell kleben, sieht es bei Walen und Delphinen anders aus. Die Wissenschaftler haben nur wenige Möglichkeiten, das Gerät auf dem Tierkörper zu befestigen.

Die Forscher der neuseeländischen Umweltschutzbehörde haben sich nun für die umstrittenste Methode entschieden. Sie wollen die Sender von der Größe einer Zigarettenschachtel an den Rückenflossen dreier Hector-Delphine befestigen. Dazu werden vier Löcher in die Flosse gestanzt, durch die dann jeweils ein Metallstift gezogen wird. Dieser invasive Ansatz stößt auf großen Protest unter Tierschützern und Meeresbiologen. „Auf See können die Geräte durch Strömung und Wasserdruck böse Verletzungen an den Flossen herbeiführen“, sagt Wissenschaftlerin Liz Slooten, die selbst seit 1984 an der Otago Universität Hector-Delpine erforscht und damit zu den führenden Fachleuten in diesem Bereich zählt. 

Fragwürdig ist der Forschungsansatz auch deshalb, da der Hector-Delphin mit 3.000 bis 4.000 Individuen zu den bedrohten Arten zählt und die Ausrüstung der drei Tiere in erster Linie ein reiner Versuchslauf für den Einsatz bei einem noch gefährdeteren Verwandten darstellen soll: dem Maui-Delphin. Trotz des Namens kommt diese Unterart des Hector-Delphins nicht vor Hawaii sondern vor der Nordinsel Neuseelands vor. Mit gerade 80 bis 100 geschätzten Tieren steht der Maui-Delphin kurz vor dem Aussterben. Selbst wenn bei den drei Hector-Delphinen keine größeren Verletzungen auftreten sollten, ist nicht gewährleistet, dass dies danach nicht bei den Maui-Delphinen passiert. Schon eine zunächst leichte Infektion kann zu bösen Wunden und schließlich auch zum Tod eines Tieres führen. Meeresbiologen haben weltweit bereits entsprechende Erfahrungen gemacht.

 

Das neuseeländische Department of Conservation ist sich der Risiken der Ausrüstungsaktion bewusst. „Wir verwenden diese invasive Methode nur ungern. Aber in schwierigen Situationen müssen auch schwierige Entscheidungen getroffen werden“, sagt Rob McCallum, Direktor der Umweltschutzbehörde. Anders sieht dies Liz Slooten: “Wenn man wissen möchte, wo Neuseeländer ihren Urlaub machen, rüstet man auch nicht drei Australier aus.“