Wenn Robben
jobben.....
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Weddell-Robben filmen
sich und die Unterwasserwelt der Antarktis für amerikanische
Wissenschaftler
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Wie überlebt man als Robbe oder Fisch in den
dunklen und kalten Gewässern der Antarktis? Diese Frage ist eine
Herausforderung für jeden Forscher, der sich mit den
Lebensgemeinschaften der scheinbar unwirtlichen Südpolarregionen
beschäftigt. Doch wie lässt sich die wissenschaftliche Neugierde
befriedigen? Wie erhält man Einblick in einen Lebensraum, der über
Tausende von Quadratkilometern zum größten Teil von einer
geschlossenen Eisdecke bedeckt ist?
Man könnte natürlich nach einer abgehärteten
Kamera-Crew Ausschau halten, die sich in Kälte isolierenden
Tauchanzügen und mit einer aufwändigen Filmausrüstung in die
Tiefe wagt. Dort würde sie jagenden Robben nachtauen und müsste
gleichzeitig die Wassertemperatur, Tauchtiefe und Aufenthaltsort mit
speziellen Geräten messen und aufnehmen. Natürlich müsste das
Team seinen Ausflug in die dunkle Tiefe überleben und alle Bilder
und Daten zu den Wissenschaftlern zurück bringen."Es ist äußerst
unwahrscheinlich, dass irgendein Naturfilmer sich freiwillig auf
dieses Abenteuer einlässt", meint Lee Fuiman, Meeresbiologe an
der Universität von Texas. So überlegte er sich zusammen mit
Kollegen eine interessante Alternative: sie rekrutierten kurzerhand
ein paar Weddell-Robben als wissenschaftliche Hilfskräfte und
machten sie zu ihrem Film-Team. Das Ergebnis war überwältigend. Über
die tierischen Helfer gelang den Forschern ein einmaliger Einblick
in die Unterwasserwelt des antarktischen McMurdoSound.
Ally McSeal - der Star unter
den Kamera-Robben
Fuiman und Randy Davis von der A&M
Universität von Texas haben mittlerweile - zusammen mit der
kalifornischen Meeresbiologin Terrie Williams - die ersten drei
Jahre ihrer Polarforschung abgeschlossen. Eine Arbeit, die ohne den
Einsatz der pelzigen Meeressäuger nicht durchführbar gewesen wäre.
Vor allem eine Robbe tat sich besonders hervor: Ally McSeal. So
nämlich tauften die Biologen eine weibliche Weddell-Robbe, die sich
durch besondere Anhänglichkeit auszeichnete. Ally war so schnell
mit ihrem neuen Job und der Anwesenheit der Wissenschaftler
vertraut, dass sie auch nach ihren Einsätzen regelmäßig am Basis-Camp
der Forscher vorbei schaute - einfach nur, um mal "Hallo"
zu sagen.

Eine Kamera auf dem Kopf einer Weddellrobbe
(Randy Davis/Texas A&M)
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Die Messinstrumente und Kameras
wurden auf einem Stück Neopren befestigt, das Fuiman und
seine Kollegen mit Zweikomponentenkleber auf das Fell der
Robben klebten. Auf diese Weise wurde eine Robbe nach der
anderen mit wissenschaftlicher Ausrüstung im Wert von
mehreren Tausend Dollar bestückt. Es gab nur ein Problem:
aufgenommenes Videomaterial und die gemessenen Umgebungsdaten
waren zunächst erst mal an Bord der tierischen Filmcrew. Wie
sollten die Biologen gewährleisten, dass die Robben sowohl
die Instrumente als auch das Datenmaterial wieder ordentlich
ablieferten? |
Das erste Fangen der Weddell-Robben war noch nicht
das Problem. Die Tiere fürchten während des Frühjahrs keine natürlichen
Feinde, da die mächtige Eisdecke um den antarktischen Kontinent die
Schwertwale - Hauptfeind Nummer Eins - fern hält. "Man
kommt deshalb nah an die Robben heran," sagt Fuiman. "Man
kann einfach zu ihnen hinmarschieren." So weit, so gut! Aber
wie kommt man nun nach Abschluss der Experimente wieder zu seinen
Instrumenten und Daten? Man lässt den Robben einfach keine Chance,
sich aus dem Staub zu machen!
Durch diese hohle Gasse
muss er kommen......
In der ersten Phase des Projektes suchten die Meeresbiologen nach
einem Eisfeld, das frei von Löchern und Rissen war, in denen Robben
möglicherweise nach Luft schnappen könnten. Dann bohrten die
Wissenschaftler ein eigenes Loch, über dem sie ihr Labor
errichteten.
"Als wir damit fertig waren, hielten wir nach Robben Ausschau,
fingen sie ein, brachten sie in unser Labor, rüsteten sie aus und
entließen sie durch unser Loch wieder in die Freiheit," erklärt
Fuiman. Die Tiere waren dann wieder in ihrer natürlichen Umgebung
und verhielten sich völlig normal - sie tauchten, gingen auf
Futtersuche und jagten Beute. Nach ca. 20 - 70 Minuten muss eine
Weddell-Robbe jedoch wieder an die Meeresoberfläche kommen, um nach
Luft zu schnappen. Die einzige Möglichkeit die dafür bestand, war
das Eisloch der Forscher. Die Robben tauchten also regelmäßig
mitten im Labor wieder auf.
Insgesamt 15 Robben nahmen an dem Experiment teil. Sie tauchten
dabei auf Tiefen von unter 300 Metern. Dort herrscht ein enormer
Druck, der die Lungen dieser Meeressäuger auf einen Bruchteil ihrer
normalen Größe komprimiert. Am Ende lagen fast 200 Stunden
Videomaterial aus der Tiefe vor. Das meiste davon zeigte nur tiefes
Schwarz. Doch ab und zu huschte ein Blitz durch das Bild. Nach
genauerer Analyse konnten die Wissenschaftler schließlich
verlässlich sagen, welche Fischart da jeweils ins Blickfeld der
Kamera geraten war. "Klar, wir haben keine fernsehtauglichen
Bilder bekommen," sagt Fuiman. "Da unten ist es schon nach
wenigen Metern ziemlich dunkel. Aber wir wissen nun genau, welcher
Beute unsere Robben nachgestellt haben". Überraschungen
erlebten die Forscher bei der Beuteverteilung. Die für die
Weddell-Robben wichtigen Beutearten kommen über ein sehr großes
Tiefenspektrum vor. Die knopfäugigen Meeressäuger müssen also
viel Taucharbeit leisten, um zu ihrer täglichen Mahlzeit zu
gelangen.
Gefräßige Assistenten
Eine brennende Frage lautete, wie die Robben ihre Beute finden.
Einige Wissenschaftler glauben, dass sie die Fische regelrecht
riechen können und einzelnen "Duftspuren" unter Wasser
folgen. Andere nehmen an, dass die Beute optisch wahrgenommen und
verfolgt wird. "Ich bin mir noch nicht ganz über eine Antwort
im Klaren," sagt Fuiman. "Die Videobilder zeigen in
einigen Fällen sehr schön, wie sich die Robben von unten den
Fischen nähern. Vielleicht reicht das durch das Eis dringende
Restlicht aus, damit die Tiere ihre Beute gegen die Oberfläche
sehen können".
Der Frage nach der Beuteortung wird zur Zeit in der zweiten Phase
des Projektes noch genauer nachgegangen. Die amerikanischen Biologen
gehen dabei einen Schritt weiter und geben ihre
"Ein-Atemloch-Methode" auf. Die Tiere werden direkt in
ihrem natürlichen Lebensraum gefangen und ausgerüstet. Damit
steigt zwar das Risiko des Daten- und Instrumentenverlustes, doch
gibt es gleichzeitig die Chance auf Unterwasserbilder, auf denen
Interaktionen zwischen den Robben und ihren Artgenossen zu sehen
sind.
Und bisher klappte alles wie geplant. Die ausgerüsteten Robben
lieferten ihre Instrumente inklusive der gesammelten Daten wieder
ab. Und wieder dabei war auch Ally McSeal. Nur dass die Forscher ihr
wahrscheinlich einen neuen Namen geben wollen: McVielfraß. Während
eines einzigen Tauchgangs verputzte Ally nämlich über 100 Fische!
Lee Dye’s Berichte erscheinen regelmäßig
auf Ozeane.de. Lee war Wissenschaftsjournalist der Los Angeles
Times und lebt nun als freier Autor und Journalist in Juneau,
Alaska.
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