| Touristen
verantwortlich für Delphintod?
Whale Watching ist eine der beliebtesten
Urlaubsbeschäftigungen in Regionen, in denen Wale und Delphine
regelmäßig vorkommen. Unter Anleitung erfahrener Wissenschaftler
oder Bootsführer kann auf diese Weise fast jeder den faszinierenden
Meeressäugern näher kommen. Doch manchmal ist das Interesse
zwischen Mensch und Wal nur einseitig und kann im Extremfall auch
tödliche Folgen für das Tier haben.
Ende August sichteten Fischer im Mittelmeer, eine
Meile vor der Küste der Insel Ischia, eine Gruppe von 20
Rundkopfdelphinen (Grampus griseus). Diese Delphinart kommt
außerhalb der polaren und subpolaren Meeresregionen sehr häufig
vor und ist weit verbreitet. Die Kunde von der Anwesenheit der
scheinbar zutraulichen Delphine verbreitete sich rasch und innerhalb
kurzer Zeit versammelten sich über 100 Ausflugs- und Freizeitboote
um diese Tiere.
Alarmierte Wissenschaftler und Freiwillige der
italienischen Organisation zum Schutz der Meeressäuger (Studiomare)
mussten dann beobachten, wie die Armada von größtenteils
motorisierten Schiffen die Delphingruppe weiter verfolgte. Anfangs
noch in einem Meeresgebiet von über 300m Wassertiefe schwimmend,
wurden die Rundkopfdelphine in immer flachere Bereiche gedrängt.
Schließlich war das Wasser unter den Tieren nur noch 3m tief. Nach
Einschätzung der Wissenschaftler zeigten mittlerweile auch alle
Delphine ausgeprägte Stress-Syndrome. Nur mit Mühe konnten die
Fachleute eine Massenstrandung verhindern, indem sie ihr Segelschiff
zwischen die Tiere und den Strand manövrierten. Keiner der
Freizeitkapitäne schien sich in diesem Moment dem Ernst der Lage
bewusst zu sein. Erst nach weiteren zwei Stunden gelang es den
Tierschützern, eine 400m breite Schneise zwischen die
Touristenboote zu schlagen, durch die die Delphine schließlich in
Richtung offene See verschwinden
konnten.
Einen Tag nach diesem Ereignis wurde am Strand ein
toter Rundkopfdelphin angetrieben. Sein Schädel war durch einen
Schiffspropeller gespalten worden. Lokale Medien vermittelten auch
trotz dieses Umstandes ein völlig anderes Bild der Geschehnisse.
Sie sprachen von einer Art "Sommerparty", die die
Rundkopfdelphine vor der Insel Ischia abgehalten hätten.
Die Wissenschaftler zeigen sich entsprechend
besorgt. Ihren Berichten nach kreuzen in den Sommermonaten täglich
mehr als 200 Freizeitsegler und Motorschiffe vor den Küsten
Ischias. Sie bewegen sich inmitten des Lebensraumes von Tümmlern,
Gemeinen Delphinen und Finwalen, was nicht lange ohne Folgen bleiben
konnte. Erst einen Tag vor dem Zwischenfall mit der Delphingruppe
war im Hafen von Mergellina (Neapel) bereits ein verwaistes
Rundkopfdelphin-Junges gefunden worden. Das Bewusstsein der
Touristen für die Nöte und Lebensweise der Delphine scheint nicht
weit entwickelt zu sein. Auf der Jagd nach einem schönen
Urlaubserlebnis und ein paar guten Bildern vergessen sie, dass sie
es mit wilden und freilebenden Meeressäugern zu tun haben, denen
das Interesse am Menschen wohl nur aus Legitimationsgründen
angedichtet wird. |