Steine im Bauch

Es muß nicht immer Milchreis sein, um den kleinen Hunger zwischendurch zu bekämpfen. Südliche See-Elephanten haben da ihre ganz spezielle Alternative: sie schlucken Steine und Sand!

Schon 1801 stellten Wissenschaftler fest, daß verschiedene Vertreter der Robbenfamilie nicht nur Beutetiere verspeisten. Man fand in Ihren Mägen festes Substrat in Form von Sand und kleinen Steinen. Lange Zeit wurde spekuliert, welchen Hintergrund diese seltsame Ernährung wohl haben könnte. Man nahm an, daß die See-Elephanten vielleicht auf diese Weise Parasiten aus ihrem Magen entfernen. Andere Forscher vermuteten, daß die Tiere die Steine als Ballast für das Tauchen verwenden. Klingt zunächst ganz plausibel; nur: was abtaucht, muß auch wieder auftauchen. Und dabei ist das Zusatzgewicht nicht so vorteilhaft.

Der australische Wissenschaftler Michael Maclare Bryden brachte im Rahmen seiner Forschung an Südlichen See-Elefanten nun etwas Licht in die Sache. Er fand heraus, daß Tiere, die von ihren Beutezügen aus dem Meer an Land zurückkehrten, niemals Sand oder Steine im Magen aufwiesen. Auch von ihren Müttern gesäugte Jungtiere nahmen offensichtlich kein festes Substrat auf. See-Elephanten, die aber längere Zeit fastend an Land gelegen hatten, fraßen in unregelmäßigen Abständen Sand und Steine. Fastenzeiten gehören für See-Elephanten zum jährlichen Lebenszyklus. Zur Zeit der Paarung, des Fellwechsels, der Geburt und der Stillzeit liegen die Tiere auf ihren Ruheplätzen, ohne zwischendurch auf Nahrungssuche zu gehen. Ihre Stoffwechselrate geht dabei zum Teil drastisch zurück. Offensichtlich bekämpfen die Tiere nun ihren Hunger durch das Fressen von Steinen und Sand. Bryden fand bei seinen Untersuchungen bis zu 8,6kg Steine in den Mägen der Tiere. "Eine ganze Menge," meint Bryden, "macht bestimmt satt und ist garantiert kalorienfrei!"

 


Klar, Pinguine wären eine echte Alternative - aber Steine können nicht weglaufen!

 

 

 

 

 


Jungtiere stillen ihren Hunger nur mit der fettreichen Milch der See-Elephanten-Mutter