Tierportrait: Steller`sche Seelöwen

Steller`sche Seelöwen finden man über den gesamten nordpazifischen Raum verteilt, vom nördlichen Hokkaido (Japan) über die Kurillischen Inseln, das Ochotskische Meer, den Commander Islands in Russland, über die Aleuten, die zentrale Beringsee, der Südküste von Alaska bis hin zu den Channel Islands vor Kalifornien. Während der Paarungszeit zwischen Mai und Juli sammeln sich diese Seelöwen an mehr als 40 großen Ruheplätzen, auf denen die Männchen ihrer Territorien erkämpfen und verteidigen,  Jungtiere geboren werden und Paarungen stattfinden. Nicht geschlechtsreife Tiere oder Seelöwen ohne eigenes Territorium sammeln sich auf über 200 weiteren Ruheplätzen. Sowohl die Paarungsfelsen als auch die anderen Ruheplätze sind auch außerhalb der Paarungszeit regelmäßige Anlaufpunkte für die Tiere. 

Ernährung
Steller`sche Seelöwen sind opportunistische Jäger. Das heißt, daß sie sich von einer Vielzahl von Fisch- und Tintenfischarten ernähren können und nicht auf wenige Beuteorganismen festgelegt sind. Die möglichen Beuteorganismen variieren auch sowohl geographisch wie saisonal. Zu den wichtigsten Beutefischen gehören auf jeden Fall der Alaska Seelachs (Theragra chalcogramma), die Atka Makrele (Pleurogramma monopterygius), der pazifische Hering (Clupea harengus),  die Lodde (Mallotus villosus), der pazifische Sandaal (Ammodytes hexapterus), der Kabeljau (Gadus macrocephalus) und Lachse (Oncorhynchus spp.).
Steller`sche Seelöwen greifen aber auch andere Meeressäuger an, so z. B. Seehunde, Ringelrobben, Pelzrobben sowie junge Seeotter. Doch sind diese Arten eher als Nahrungsergänzung denn als ständiger Bestandteil des Speiseplans zu verstehen.

Größe und Aussehen
Der Steller`sche Seelöwe (Eumetopias jubatus) ist der größte Vertreter aus der Familie der Otariidae (Ohrenrobben). Ausgewachsene Männchen können bis über 3 Meter lang werden und ein Gewicht von bis zu 1.100kg erreichen. Die Weibchen sind kleiner und deutlich schlanker als die Männchen (2.4 - 2.9m) und wiegen auch in der Regel nicht mehr als 350kg. Dieser bei den Ohrenrobben häufig zwischen Männchen und Weibchen zu beobachtende Unterschied in Körpergröße und -gestalt wird auch als Geschlechtsdimorphismus bezeichnet.
Die Farbe der Tiere variiert von Gelbbraun bis Rotbraun, mit etwas dunkleren Stellen an der Brust und im Schwanzbereich. Nichtbehaarte Stellen am Körper sind schwarz. Wie bei allen Robben, so erscheinen nasse Tiere immer dunkler als Tiere mit trockenem Fell.

Neugeborene sind in der Regel 1m lang und wiegen zwischen 16 und 23kg. Schon nach 6-10 Wochen haben sie aber Ihr Gewicht auf 30-40kg verdoppelt. Der erste Fellwechsel zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat läßt die Fellfarbe von Dunkelbraun zu Hellbraun wechseln. Mit Beendigung des zweiten Lebensjahres besitzen die Jungtiere die gleich Fellzeichnung wie die Erwachsenen.
Zwischen dem dritten und achten Lebensjahr werden die Männchen geschlechtsreif. Sie sind jedoch bis zum neunten oder zehnten Lebensjahr noch nicht stark genug, um ein eigenes Territorium gegen männliche Konkurrenten zu verteidigen. Weibchen können mit vier bis sechs Jahren zum ersten Mal ein Junges gebären. Dies geschieht in den Monaten Mai bis Juli, mit einer Hauptwurfzeit in der zweiten und dritten Juniwoche. Die Weibchen verweilen gerade mal 9 Tage bei den Neugeborenen, bevor sie dann wieder mit regelmäßigen Beutezügen auf hoher See beginnen. Schon 11 bis 14 Tage nach der Geburt ist ein Weibchen wieder empfangsbereit und paart sich erneut. Durch einen als "verspätete Implantation" bezeichneten biologischen Vorgang, beginnt das befruchtete Ei aber erst mit einer 3- 4-monatigen Verzögerung seine Entwicklung (in der Regel ab dem späten September bzw. frühen Oktober). Die gesamte Zeit wird das Jungtier noch gesäugt. Die Entwöhnung findet erst im Winter oder dem Frühjahr des folgenden Jahres statt. Nicht selten werden aber auch 1-2-jährige Seelöwen beobachtet, die noch gesäugt werden.

Population & Gefährdung
Die Weltpopulation der Steller`schen Seelöwen wurde noch 1980 auf zwischen 245.000 und 295.000 Tiere geschätzt. Mittlerweile sollen es nur noch unter 60.000 Tier sein,  die sich bei etwa dem 144° westlichen Längengrad in zwei Unterpopulationen teilen. Diese Trennung basiert vornehmlich auf genetischen Unterschieden zwischen den beiden regionalen Populationen. Die Anzahl der Steller`schen Seelöwen ist in allen Verbreitungsgebieten schon seit den 70er Jahren stetig gesunken. Das Ausmaß des in den folgenden Jahren erfolgten Populationsrückgangs war jedoch derart stark, daß der amerikanische National Marine Fishery Service (NMFS) diese Art im April 1990 auf die Liste der gefährdeten Tiere setzte. Eine zwischen 1992 und 1993 durchgeführte Untersuchung des National Marine Mammal Laboratory hat ergeben, daß - sollte die negative Entwicklung von 1985 - 1992 weiter anhalten - die Steller`schen Seelöwen in 100 Jahren vor Alaska ausgestorben sein werden.
Da der Populationsrückgang nach 1993 tatsächlich weiter anhielt, wurde die westliche Population 1997 auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten gesetzt. Der östliche Bestand ist weiterhin als gefährdet eingestuft.

Eine der ersten Aktion im Rahmen der Einstufung als gefährdete Tierart war die durch die NMFS beschlossene Festsetzung einer 3-Meilen-Schutzzone um alle Fortpflanzungsgebiete der Seelöwen in West-Alaska. 1992 wurde darüber hinaus zusätzliche eine Fischereiverbotszone eingerichtet, die über das ganze Jahr in einem Umkreis von 10 Meilen um die Ruheplätze und bei den sechs wichtigsten Fortpflanzungsplätzen in einem Umkreis von 20 Meilen während der winterlichen Alaska-Seelachs-Fischerei gelten. Die NMFS stufte 1993 schließlich alle Fortpflanzungsgebiete sowie die wichtigsten Ruheplätze einschließlich der zentralen marinen Nahrungsregionen innerhalb der Bering See und der Shelikof-Strasse als "kritisch" im Sinne der "Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten" ein. 
Im Dezember 1998 kam die NMFS-Alaska zu dem Schluß, daß die Seelachs- und Makrelenfischerei in Alaska einen deutlich negativen Einfluss auf die Populationsentwicklung des Steller`schen Seelöwen hat. Die Behörde versucht nun, Lösungen zu entwickeln, durch die dieser Prozess gestoppt werden kann.

Forschung
Wissenschaftler der Abteilung Meeresbiologie an der Texas A&M University erforschen die Steller`schen Seelöwen schon seit mehreren Jahren mit modernsten Technologien. Unter der Leitung von Dr. Markus Horning werden so unter anderem auch Satellitensender eingesetzt, um die Wanderungen und die Verteilung dieser bedrohten Tierart zu untersuchen. Weitere Infos zu den aktuellen Projekten sowie Bilder des Steller`schen Seelöwen sind auf der Webseite des Biotelemetry Labs einzusehen.

 

 


Ein Steller`sches Seelöwenmännchen