Seelöwen schuld an schwindenden Lachsbeständen?

von Martha Mendoza, Associated Press

SANTA CRUZ, Dez.`99 - Immer mehr Fischer der nordamerikanischen Pazifikküste beklagen sich über Seelöwen, die ihrer Meinung nach die fischbaren Lachsbestände übermäßig dezimieren. Die amerikanische Regierung wurde aufgefordert, umgehend Abschußqouten für die Robben festzulegen.

"Wir haben es hier einerseits mit einem großen plüschigen Tier zu tun, das jeder liebt und auf der anderen Seite mit einem glitschigen Fisch. Aber wir müssen das Tier beschützen, dessen Bestand abnimmt, selbst wenn es nicht gerade das niedlichste ist," sagte Rich Hughett, Geschäftsführer der Vereinigung für Fischer von Kalifornien. Untersuchungen kommerzieller Fischer der Monterey Bucht in Kalifornien sollen ergeben haben, daß 30% des von Fischern gefangenen Fischs von Seelöwen als eigene, leichte Beute gegriffen werden. 
Die Fischer der Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington sind überzeugt, daß dieser Umstand, gerade vor dem Hintergrund wachsender Seelöwen- und abnehmender Fischbestände, es notwendig macht, zu Regelungen von vor 1994 zurückzukehren, die es ihnen erlaubt, Seelöwen zu schießen. Zusätzlich sollen ihrer Meinung nach auch die Coast Guard und die Hafenpolizei für eine Regulierung der Seelöwen-Population herangezogen werden.
Die Bestände des kalifornischen Seelöwens und des Pazifischen Seehundes  - beide seit 1972 durch den "Marine Mammal Protection Act" geschützt - sind nach Angaben des National Marine Fisheries Service in den letzten zehn Jahren von 80.000 Tiere auf 250.000 Tiere angewachsen. In der gleichen Zeit sind die Lachsbestände so dramatisch gefallen, daß einige Arten dieses Jahr auf die Liste der gefährdeten Tierarten aufgenommen werden mußten.

Von "seltenem Gast" bis zur potentiellen Plage
Die Seelöwen und Seehunde - 1950 noch seltene Gäste - können mittlerweile in fast jedem Hafen und an jeder Anlegestelle der pazifischen Westküste beobachtet werden. Touristen füttern sie mit kleinen Häppchen, um sie so besser photografieren zu können. Die Robben  können aber auch zur Plage werden, wenn sie auf Fischerboote klettern, Strandbesucher beißen oder an Flußmündungen wandernden Fischen auflauern.
Trotzdem sind Umwelt- und Tierschützer der Meinung, daß die Lachsbestände nicht durch eine Dezimierung der Robbenpopulationen gerettet werden können. Vielmehr bedürfe es verstärkter Restriktionen für Siedler, die sich entlang der Wanderflüsse niederlassen und diesen wichtigen Lachshabitaten das Wasser entziehen.

"Es gibt keinen Zeifel daran, daß Seelöwen und Seehunde Lachse fressen. Aber es gibt keinen Grund zur Annahme, daß sie auch die Ursache für den dramatischen Rückgang der Lachse sind," meint Kaitlin Gaffney vom Zentrum für Marinen Umweltschutz. Der Kongress wird im Frühjahr nächsten Jahres den "Marine Mammal Protection Act" auf jeden Fall neu zur Vorlage bringen. In Erwartung der damit eingehenden Hörungen üben nun Vertreter der Staaten Kalifornien, Oregon und Washington verstärkten Druck auf Bundesbehörden aus, den bisher umfassenden Schutz der Robben  zukünftig einzuschränken.

Unfairer Kampf
Die allgemeine Debatte verstärkte sich Mitte Dezember, als Vertreter der Landesbehörden sich weigerten, eine Resolution der kalifornischen Fischer zu unterzeichnen, in der diese forderten, die Seelöwen und Seehunde von der Liste der geschützten Tierarten zu nehmen. "Was wir hier haben, ist der Kampf zwischen Robben und Menschen um die Ressource Lachs, und ich glaube, daß die Aussicht, daß der Mensch die Seelöwen dafür tötet, daraus einen unfairen Kampf macht," sagt die Santa Cruz County Supervisorin Mardi Wormhoudt. Thomas Canale, Fischer in der Monterey Bucht, meint dagegen, daß er und seine Kollegen arbeitslos würden, wenn die Regierung nicht eingreift. "Wir schauen keiner Jagdsaison auf Seelöwen entgegen," sagte er. "Wir warten auf die Wissenschaftler, die überzeugende Mittel zur Populationskontrolle liefern sollen.

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Lachse - Leckerbissen für Robben und für Menschen!