Rückkehr der Glattwale?

WOODS HOLE, Massachusetts - Amerikanische Meeresbiologen haben in den ersten zwei Monaten dieses Jahres vor der Küste Floridas und Georgias bereits 14 neugeborene Nördliche Glattwale (Eubalaena glacialis) gezählt. Das sind mehr erfasste Glattwale-Junge als in den letzten drei Jahren zusammen.

Der scheinbare Baby-Boom bei den Glattwalen ist eine wirklich gute Nachricht für eine Walart, deren Chance auf Überleben in den letzten Jahren stark in Frage gestellt wurde. "14 Geburten sind eine tolle Zahl," meint so auch Phil Clapham, Walexperte der Regierungsbehörde "NOAA-Fisheries". Diese Behörde war in den letzten Jahren damit beauftragt, einen Schutzplan für diese bedrohte Walart zu erstellen. "Es gibt gerade noch 70 reproduktionsfähige Weibchen, die aus unerklärlichen Gründen in den letzten Jahren nur sehr wenig Nachwuchs gehabt haben." Doch Clapham betont auch, dass die Neugeborenen des letzten Jahres nur einen kleiner Schritt für die Erholung dieser stark gefährdeten Walart bedeuten. Im Nordatlantik leben insgesamt nur noch 300 Nördliche Glattwale, und diese sind jedes Jahr wieder auf`s neue durch Schiffskollisionen und Fischereinetze gefährdet. Pat Kurkul, Mitarbeiter des National Marine Fishery Service, meint entsprechend, dass es jetzt gerade darum gehe, die Gefahr möglicher Kollisionen zwischen Walen und Schiffen sowie des Verfangens in Fischereinetzen zu minimieren. Nur so haben die 14 Kälber eine reelle Chance auf ein Überleben.

Wissenschaftler aus einem Netzwerk von offiziellen und privaten Einrichtungen überwachen die Bestandsentwicklung der Glattwale im Nord-Atlantik das gesamte Jahr. Forscher des New England Aquarium und der "Florida Fish and Wildlife Conservation Commission" kontrollieren zum Beispiel die südlichen Gewässer vor der amerikanischen Küste. Hierhin ziehen in den Wintermonaten die schwangeren Weibchen, um ihre Jungen zu gebären.1998 zählten die Wissenschaftler gerade mal fünf Neugeborene, 1999 sogar nur vier Jungtiere. Im Dezember 2000 überwachten die Biologen die Gewässer dann mit Hilfe von Frühwarn-Flugzeugen der U.S.-Navy und der U.S.-Küstenwache. Während der Flüge wird ein 1000 Quadratmeilen großer, küstennaher Meeresabschnitt mit flachem Wasser überwacht. Dabei werden die gesichteten Glattwale gezählt, photographiert und Schiffe in der Gegend vor auf ihrem Weg schwimmenden Walen gewarnt.

Bis zum 23. Januar 2001 hatten die Forscher schließlich 32 Flüge absolviert, 66 Glattwale gezählt und identifiziert sowie 13 Jungtiere erfasst. Ein vierzehntes Jungtier konnte von Kollegen aus Georgia registriert werden. "Das Teamwork und die Koordination zahlreicher Wissenschaftsteams hat zu einer detaillierten Überwachung der Aufzuchtgebiete der Nördlichen Glattwale geführt," meint Cyndi Thomas, Leiterin der Fish and Wildlife Conservation Commission. "Dadurch haben wir nun ausgezeichnete Bestandsdaten und können auch regelmäßig vorbeifahrende Schiffe vor den Walen warnen!". Die Meeresbiologin Barbara Zoodsma spricht von verhaltenem Optimismus. "Obwohl die aktuellen Geburtenzahlen eine tolle Nachricht sind, müssen wir uns bewusst bleiben, wie nahe die Glattwale noch an der Grenze zum Aussterben stehen," erläutert sie. Die Zahl der möglichen Gefährdungen für die Wale ist groß.  Abnehmende Nahrungsressourcen, Krankheiten, Biotoxine und andere Umweltgifte im marinen Milieu sowie genetische Probleme innerhalb einer kleinen Population werden den Glattwalen auch weiterhin zu schaffen machen. Bleibt zu hoffen, dass der unermüdliche Einsatz der zahlreichen Wissenschaftler einen nachhaltigen Schritt auf dem Weg in eine sichere Zukunft dieser Walart darstellt.

Ein Nördlicher Glattwal Eubalaena glacialis

 

 

 

 

 

Immer wieder werden Glattwale von Schiffsschrauben erfasst und getötet

 

 

 

 

 

 


Ein Glattwal taucht vor einem Beobachtungsboot ab