title.jpg (16825 Byte)
15. September, 1998,  07.00 Uhr morgens, irgendwo an der Küste Nordfrieslands. Zwei Schiffe machen an der Kaimauer eines abgelegenen Hafens fest. Beide tragen den Schriftzug "Küstenwache". Mehrere Gestalten beginnen mit dem Verladen von medizinischer Ausrüstung und technischem Gerät. Spritzen und Probegefäße werden ein letztes Mal kontrolliert, Satellitensender aktiviert. Dann nehmen beide Schiffe Kurs auf die offene Nordsee.

Was ebenso gut der Beginn eines Krimis sein könnte, ist der Anfang einer wissenschaftlichen Untersuchung an Seehunden im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Wissenschaftler des Instituts für Meereskunde (IfM), des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste (FTZ) sowie Mitarbeiter der Seehundstation Friedrichskoog und des Nationalparkamtes Wattenmeer machen sich auf den Weg zu einer der größten Seehundbänke der Nordsee.

Im Dienste des Tierschutzes

Ziel der jährlich zwei mal stattfindenden Untersuchungen ist die Ermittlung des Gesundheitszustandes einheimischer Seehunde sowie die Erkundung ihrer Lebensweise. Obwohl man annehmen könnte, daß Seehunde mittlerweile gut erforscht sein sollten - schließlich gibt es sie in großer Anzahl direkt vor unserer Haustüre - , sind die wesentlichen Vorgänge im Leben eines Seehundes noch unbekannt. Auf Land beobachtet man nur ruhende Robben, die nicht viel von ihren Geheimnissen preisgeben. Unter Wasser dagegen zeigen diese Tiere verhaltensbiologische und physiologische Leistungen, die die Wissenschaftler immer wieder überraschen. Dort in der Tiefe passieren die überlebenswichtigen Dinge wie Partnerwahl, Fortpflanzung, Nahrungssuche und Beutejagd. Lange Zeit hatten die Forscher keine Möglichkeit, den Meeressäugern in ihr nasses Element zu folgen. Erst der Entwicklung technologischer Geräte wie Satellitensendern und Fahrtenschreibern ist es zu verdanken, daß sich das Fenster in die Tiefe geöffnet hat. Jetzt kann Grundlagenwissen dazu verhelfen, das Leben der Robben besser zu verstehen, ihre Bedürfnisse an ihren Lebensraum kennenzulernen und damit langfristig einen besseren Tier- und Habitatschutz zu gewährleisten.          

ships.jpg (9997 Byte)
Mit Hilfe zweier Schiffe und eines Schlauchbootes werden freilebende Seehunde für wissenschaftliche Untersuchungen gefangen.

 

 

 

 

Zusammenfassung

Mit Hilfe von Satellitensendern und Tauchtiefenrekordern untersuchen Forscher das Leben der Seehunde. Zusätzlich werden die Tiere medizinisch untersucht, um den Gesundheitszustand der gesamten Population zu erfassen.

 

 

 


007 läßt grüßen

Die Technik, die von den Wissenschaftlern eingesetzt wird, würde sogar James Bond genügen. Hightech im Wert von ca. DM 8000,- pro Tier läßt den Forschungszweig der Wildtiertelemetrie zu einer kostspieligen Sache werden. Die Satellitensender kommen aus Amerika und werden vom eigenen Satellitensystem ARGOS empfangen. Fast in Echtzeit können dann die Daten von einer französischen Station in Toulouse auf den Computer der Forscher überspielt werden.  

Noch wichtiger sind aber die sogenannten Fahrtenschreiber oder Tauchtiefenrekorder. Diese Meßinstrumente speichern über mehrere Wochen hinweg alle zehn Sekunden verschiedene Umweltparameter auf. Dazu gehören unter anderem die Tauchtiefe, die Körperlage, die Temperatur, die Schwimmgeschwindigkeit oder die Lichtintensität. Aus all diesen unterschiedlichen Daten läßt sich dann hinterher am Computer der Forscher ein exaktes Bild davon zeichnen, was jedes einzelne Tier während der Zeit seiner Ausrüstung unter Wasser gemacht hat. Voraussetzung ist natürlich, daß die Wissenschaftler ihre Geräte - nach vorprogrammierter Ablösung - wieder zurückerhalten. Daß das nicht selbstverständlich ist,  zeigt der zweite Teil dieses Berichtes, in dem es auch endlich mit der Fangaktion losgeht!

tag1.jpg (12032 Byte)

Auf der Sandbank: routiniert beginnt das Team um Dr. Rory Wilson mit der Ausrüstung eines Tieres