Filmwal Keiko ferngesteuert - Das Ende eines Mythos!
Der Filmwal Keiko - besser bekannt als "Willy" - wird seit nunmehr zwei Jahren an der Küste Islands auf seine Freilassung vorbereitet. Um die Auswilderung zu einem schnellen Ende zu bringen, kamen Trainer und Offizielle auf eine unglaubliche Idee: Sie ersetzten den richtigen Keiko Anfang Februar durch ein Film-Modell, das bereits bei den Dreharbeiten zu "Free Willy" eingesetzt wurde.

H E I M A E Y, Island, 01.04.2000 — Eine kleine Bucht an der Küste Islands, das Wasser ist ruhig und die Sonne bildet eine kreisrunde Scheibe hinter der diffusen Bewölkung dieses noch kalten Frühlingsmorgen. Im Auswilderungsbereich des Filmwals Keiko scheint alles zu sein wie immer. Seit über zwei Jahren versuchen hier Wissenschaftler und Trainer des 21 Jahre alten Orcas, ihn wieder an das Leben in der Freiheit zu gewöhnen. Doch irgendwas ist anders als in den betriebsamen Monaten zuvor. Keine Menschenseele zeigt sich am Anleger oder den aufgestellten Containern entlang der Bucht. Stattdessen patrouillieren Schiffe der isländischen Küstenwache in weitem Abstand vor dem marinen Außengehege. Zwei zivile Polizeiwagen haben die einzige Zugangsstraße zur Bucht abgesperrt. Durch kommt nur, wer sich mit einem Ausweis als Mitglied des Keiko-Teams identifizieren kann.

Durch kam aber auch der amerikanische Meeresbiologe und Orca-Spezialist Dr. Dan Hamilton. Offiziell gehört er nicht zum Auswilderungsteam. Seit Jahren forscht er jedoch an der Texas AM University über das Leben mariner Großsäuger. Spezialisiert hat er sich auf Killerwale. Mehr als sechs Monate verbringt er alljährlich an den Küsten Kanadas, um dort mit Hilfe von Satellitensendern das Verhalten der Wale zu erforschen. Vor fünf Tagen kam er nun nach Europa, um den in einer Woche in Cork, Irland beginnenden Kongress der europäischen Wal- und Delphingesellschaft (European Cetacean Society, ECS) zu eröffnen. Zuvor plante er noch einen Besuch bei dem weltweit wohl bekanntesten Filmwal - Keiko. Auf Island angekommen, wurde ihm jedoch der Zugang zu den Auswilderungseinrichtungen strikt verwehrt. Cheftrainer Robin Friday begründete dies mit einer Erkrankung des Wales und der notwendigen Ruhe, die man dem Tier vor seiner für diesen Sommer geplanten Auswilderung gewähren müsse. Auch Hamiltons Hinweis, dass er als Mitglied des National Marine Mammal Labs offiziell autorisiert sei, alle amerikanischen Einrichtungen und Projekte zur Walforschung und Walhaltung jederzeit zu besichtigen, änderte nichts an dem Zugangsverbot. Skeptisch geworden, ließ Hamilton daraufhin seinen Assistenten Greg Stewart mitsamt einer Unterwasserausrüstung aus den Staaten einfliegen und startete einen Coup, der an beste Spionagezeiten des Kalten Krieges erinnert.


Wissenschaftler als Ermittler
In der Nacht zum 29. März stiegen Dan und sein Assistent an einem abgelegenen und unbewachten Strandabschnitt mit Unterwasserkameras ins Meer. Tauchend überwanden sie die knapp 1,5 km lange Strecke zum Außengehege Keikos. Die erste Überraschung erwartete sie unter Wasser. Entgegen ihrer Annahme mussten sie das Netz des Geheges nicht durchschneiden, um ins Innere zu gelangen. Das Netz war offen. Von Keiko weit und breit keine Spur. Am Anleger der Bucht angelangt, sahen sie dann die dunkle Silhouette des Killerwals. Regungslos dümpelte das Tier an einer Seite des Holzsteges. Regungslos verharrte es auch, als Hamilton und Stewart sich vorsichtig näherten. In der Erwartung, einen scheinbar kranken Keiko vor sich zu haben, verließen die beiden Wissenschaftler das Wasser. Vom Steg aus erkannten sie aber, was sich wirklich vor ihnen befand: das Killerwal-Modell, das in dem mehrteiligen Filmepos jedes mal dann eingesetzt wurde, wenn es für das richtige Tier zu gefährlich wurde. Auf der Suche nach einer Erklärung betraten Dan und Greg die überraschenderweise nicht abgeschlossenen Büro-Container. Bei der Untersuchung eines der dort stehenden Labtops wurden sie schließlich fündig. Säuberlich dokumentiert und mit Bildern belegt stießen sie auf ein filmreifes und in dieser Form wohl einmaliges Täuschungsmanöver. Killerwal Keiko war Anfang Februar in eine abgelegene Bucht gebracht und durch sein Filmdouble ersetzt worden. Mit Hilfe des ferngesteuerten Modells wollte man der Weltöffentlichkeit eine Bilderbuch- Auswilderung präsentieren. Ein Spezialistenteam aus Hollywood "reanimierte" dazu eigens den künstlichen Keiko und flog ihn nach Kevlavik, Island.

 

Erste Auftriebsversuche des "reanimierten" Wal- Modells in einem Bassin an der mexikanischen Pazifikküste. Hier wurden auch die Modellaufnahmen zum Film "Titanic" gedreht.

 

Filmtechniker der Universal Studios überprüfen die einzelnen Funktionen der Fernsteuerung des Wals.

 

Ankunft in Heimaey - das Filmdouble wird ins Becken eingesetzt. Zwei Tage lang gilt höchste Sicherheitstufe für das Auswilderungs- gelände. Presse und Öffentlichkeit werden abgewiesen.

 

Noch liegt der Walkörper aus Silikon und Kunststoff reglos im Becken. Techniker bringen die letzten Kabelverbindungen an.
CNN-Reporter merkten nichts
"Eine unglaubliche Tat, um das millionenteure Projekt "Keiko" zu einem scheinbar erfolgreichen Abschluss zu führen," so Dan Hamilton. Geplant war die offizielle Freilassung des Wales für den 24. April. Das Tier wäre musterhaft und zielstrebig vor laufenden Kameras im Nordatlantik verschwunden. Vermeintlich aufgesetzte Satellitensender sollten dann ständig vom erfolgreichen Überleben berichten. "Es hätte auch klappen können, wenn man Presse und Öffentlichkeit ausreichend auf Distanz gehalten hätte," meint Greg Stewart. "Das Filmdouble sieht wirklich täuschend ähnlich aus. Im Wasser und ständig von einem Taucher sowie der Fernsteuerung bewegt, merkt man kaum einen Unterschied. Gut, der Wal springt nicht, aber das hätte man bei dem kurzen Prozess der Freilassung gar nicht zur Kenntnis genommen". Und die zweimonatige Testphase verlief immerhin erfolgreich. Zwei Monate, in denen bereits Reporter von CNN und ABC-News Filmaufnahmen von dem Modell machten, ohne es zu bemerken. Zu sehen ist immer nur die Rückenfinne, die in größeren Abständen kurz an der Oberfläche auftaucht und dann schnell wieder verschwindet. O-Ton des CNN-Reporters:" Keiko spürt die Freiheit. Dicht am Netz des Außengeheges taucht er aufgeregt in die Tiefe, um den Rufen seiner wilden Verwandten zu lauschen!". Soweit zur Perfektion dieser Inszenierung. "Aber wen wundert es," fragt Hamilton. "Hollywood hat noch einmal für Keiko alle Fäden gezogen. Aus den von uns gefundenen Unterlagen geht hervor, daß ein zehnköpfiges Spezialistenteam der Filmtechnik alle Details minutiös geplant und trainiert hat." Scheinbar ist es bei einem der Testläufe sogar zu einem Zwischenfall gekommen, als das Walmodell nach einer Blockade der Fernsteuerung das kleine Boot eines isländischen Fischers versenkte. Man ließ den verstörten Mann in dem Glauben, daß wohl ein freilebender Wal ihn gerammt haben müsse. Das aus dem Ruder gelaufene Modell konnte von der isländischen Küstenwache wieder eingefangen werden.

Ein Taucher überprüft die Feinjustierung an dem - im Vergleich zum echten Keiko - sichtbar kleineren Modell.

 

 

Dr. Hamilton nach seinem Taucheinsatz. Mit der Videokamera filmte er den falschen Keiko. Die weiteren Beweise lieferte ihm das Keikoteam schon fast frei Haus - die Büro- Container waren nicht verschlossen.
Ein Fall für die Justiz
Dan Hamilton hat seine Teilnahme an der ECS-Tagung mittlerweile abgesagt und ist Donnerstagnacht kurzfristig in die Staaten zurückgekehrt. Über den Wissenschafts-Listserver für Wal- und Delphinforscher hat er noch gestern all seinen Kollegen die Unterlagen und das Bildmaterial vom Filmdouble des Killerwales zur Verfügung gestellt. Montagmorgen wird er der amerikanischen Justizbehörde und dem National Marine Mammal Lab Bericht erstatten. Auch die isländischen Behörden haben schon reagiert. Gegen Hamilton und seinen Assistenten liegt ein Haftbefehl wegen Einbruchs und Diebstahls vor. Verkehrte Welt! 

Für alle, die bei der Lektüre so ihre Zweifel hatten, sei gesagt: sie hatten den richtigen Riecher! Die Geschichte ist komplett erfunden und war die 1. April-Reportage 2000 auf Ozeane.de.
 

Hamilton und Stewart am Flughafen Kevlavik - überstürzt verlassen sie Island, um die Beweise außer Landes zu bringen.

 

Keiko`s Lebenslauf