| Den
Buckelwalen auf der Spur
Eine der verbreitetsten Walarten ist der Buckelwal, der
bis nahe an die polaren Regionen vorkommt. Seine spektakulären Sprünge
und Flukenschläge wurden weltweit tausendfach beobachtet und
fotografiert. Trotzdem ist nur wenig über sein aquatisches
Verhalten bekannt. Wissenschaftler auf Hawaii wollen nun mehr über
das Leben dieser faszinierenden Tiere herausfinden.
Langsam streift ein Boot vor den Gewässern Hawaiis umher. Mit
Ferngläsern bewaffnet hält eine Gruppe von Wissenschaftlern
Ausschau Richtung offene See. Doch außer den Schaumkronen der
Wellen und dem vom Wasser reflektierten, gleißenden Sonnenlicht ist
nichts zu sehen. Plötzlich ein Aufschrei! Eine junge Biologin
deutet mit ihrer Hand nach vorn. Etwa 1000m vor dem Bug des Schiffes
bricht die Wasseroberfläche an mehreren Stellen gleichzeitig auf.
Mehrere dunkle, massige Körper stoßen aus der Tiefe hervor und stoßen
mächtige, über 2m große Blaswolken aus. Buckelwale!
Sofort nimmt das Schiff Kurs auf die Tiere. Robin Baird,
Forschungsdirektor der Pacific
Whale Foundation auf Hawaii greift nach einer langen Stange. An
ihrem Ende befindet sich ein saugnapfähnliches Gebilde mit Antenne.
Einer seiner Kollegen greift nach seiner Photokamera. Er will die
Fluken der Buckelwale beim nächsten Auftauchen fotografieren.
Aufgrund der einzigartigen Struktur einer jeden Fluke lassen sich
einzelne Tiere wie mit Hilfe eines Fingerabdruckes eindeutig
identifizieren. Schon nach kurzer Zeit ist das Boot auf der Höhe
der Wale und Robin beugt sich mit seiner Stange weit über die
Reling. Zweimal lässt er die Wale noch auf- und wieder abtauchen,
bevor er beim nächsten Auftauchen kräftig ausholt und einem der
Tiere die Stange auf den Rücken drückt. Als der Wal wieder
abtaucht, hat sich das Gebilde am Ende der Stange gelöst und sitzt
fest auf dem Rücken des Tieres.
Das war die erfolgreiche Ausrüstung eines Buckelwales mit einem
Fahrtenschreiber und einem Radiosender. Ein überdimensionaler
Saugnapf wird die Instrumente für die nächsten Stunden oder sogar
einen ganzen Tag auf dem Rücken festhalten. Während dieser Zeit
speichert der Fahrtenschreiber alle 10 Sekunden Informationen zur
Tauchtiefe des Buckelwales. Auf Grundlage dieser Daten wollen Robin
Baird und seine Mitarbeiter mehr über die Aktivität und das
Tauchverhalten dieser Meeressäuger erfahren. Bisher gewonnene
Erkenntnisse basierten nur auf Beobachtungen der Tiere vom Schiff
aus. Was unter Wasser passierte, also im eigentlichen Lebensraum der
Wale, war unbekannt. Viele spannende Fragen standen noch offen. So
zum Beispiel, wie tief die Buckelwale tauchen, wie lang ihre Tauchgänge
sind, auf welchen Tiefen sie ihre Nahrung finden, ob sie einen
tageszeitlichen Rhythmus haben oder wie sie beispielsweise auf die Nähe
von Schiffen reagieren.
Die Befestigungsmethode der Messgeräte und Sender mit Hilfe
eines Saugnapfes ist noch ein Zugeständnis an die Körperoberfläche
der Delphine und Wale. Da sie kein Fell besitzen, kann man ihnen
nicht - wie zum Beispiel den Robben - die Messgeräte aufkleben.
Dadurch fallen sie schon nach wenigen Stunden wieder ab. Liebend
gern würden die Meeresbiologen es schaffen, über Wochen oder sogar
Monate das Tauchverhalten der Buckelwale aufzuzeichnen. So könnte
das Verhalten der Tiere während ihrer langen Wanderungen zwischen
den Nahrungsgebieten in den kalten polaren und subpolaren Gewässern
und den sommerlichen Fortpflanzungsgebieten genau erfasst werden.
Tausende von Kilometer legen sie dabei zurück.
Robin Baird ist jedoch schon froh, wenige Stunden der
Tauchaktivität aufzeichnen zu können. Allein das bringt ihn und
seine Forschung einen großen Schritt voran. 15 Buckelwale konnte er
bereits auf diese Weise telemetrisch untersuchen. Weitere Tiere
werden folgen und als mehr oder minder unfreiwillige
wissenschaftliche Mitarbeiter viel zur Erhaltung ihrer Art
beitragen.
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