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Bericht im Orginal von Lee Dye,
Wissenschaftsautor, USA |
Buckelwale
vor Alaska

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| W A R M S P R I N G S B A Y,
Alaska —
Der Sturm kam aus dem Nichts, wühlte das Wasser
der Southeast Alaska Chatham Strait auf und zwang das 50-Fuß
Forschungsschiff Evolution, schleunigst Schutz im nächsten
Hafen zu suchen.
Die Suche nach den Buckelwalen mußte auf einen
ruhigeren Tag verschoben werden, aber es gab eh genug Arbeit an Bord
der Evolution, diesem hölzernen Fossil, das das
wichtigstes Forschungsinstrument der Alaska Whale Foundation
darstellt. Knochen eines einjährigen Buckelwales, der tot an einem
der felsigen Küstenabschnitte angeschwemmt wurde, mußten für den
National Marine Fishery Service sortiert und katalogisiert werden.
Diese amerikanische Bundesbehörde ist unter anderem daran
interessiert, warum so viele junge Buckelwale noch vor Erreichen des
Erwachsenenalters sterben. Ungeachtet des um ihn herum fegenden
Sturmes wankt der 36-jährige Fred Sharpe auf nackten Füßen über
das Deck der Evolution. Wie ein Maschinengewehr kommen die
Worte aus seinem Mund. Er erzählt, warum diese großen
Meeresungetüme - die Buckelwale - mittlerweile sein ganzes Leben
bestimmen.
Low-Budget-Forschung
"Es ist schwer, von ihrer Ernährungsweise nicht begeistert zu
sein," sagt Sharpe und meint damit den Einsatz der sogenannten
Blasennetze, mit deren Hilfe Buckelwale ihre Beute, wie z. B.
Heringe, zusammentreiben und einschließen."Es ist bizarr. Die
Luftblasen sind so faszinierend und die gesamte Taktik so raffiniert
und perfekt. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes
"fesselnd", was da passiert."
Sharpe erzählt, daß er sich so ziemlich alles zusammengebettelt
und -geliehen hat, was er für seine Freilanduntersuchungen braucht.
Keiner an Bord der Evolution ist in den letzten Monaten
für seine Arbeit bezahlt worden. Und wenn einmal etwas Geld zur
Verfügung steht, dann sind es kaum mehr als $ 25,- pro Mann und
Maus und Woche. Sogar das Forschungsschiff selbst ist eine private
Spende der Familie Harry Moe aus Port Townsend.
"Mein Bruder ging zu ihnen hin und fragte, ob sie ihm dieses
Schiff nicht überlassen könnten," berichtet Sharpe.
"Eine Woche später kamen sie zu ihm und sagten, daß wir es
haben könnten. Das hat uns einfach umgehauen!" Und ist die
Evolution auch ein älteres Schiff, so hat sie doch den Charme einer
früheren Luxusyacht, die nun einer neuen Berufung folgt. Der
holzgetäfelte Salon ist vollgepackt mit Computern, Literatur und
Gewebeproben, die von Buckelwalen stammen, welche auf ihrem
alljährlichen Weg von Hawaii zu den nahrungsreichen Gewässern
Alaskas untersucht wurden.
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Das Forschungsschiff Evolution der
Alaska Whale Foundation |
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Ein Netz aus Blasen
Obwohl die Buckelwale schon weitreichend untersucht worden sind,
werfen die Forschungsarbeiten und Ergebnisse der Alaska Whale
Foundation ein ganz neues Licht auf die komplexen sozialen
Strukturen, die das Überleben dieser bedrohten Tiere in einer Welt
ständig abnehmender Ressourcen noch sichern.
"Ganz klar, die Buckelwale Alaskas sind einfach einmalig,"
meint Sharpe, der noch als Doktorand an der Simon Fraser University
in Britisch Kolumbien studiert und der auch Gründer der Alaska
Whale Foundation ist.
Buckelwale auf der ganzen Welt nutzen Netze aus
Luftblasen, um ihre Beute einzuschließen und zu fangen.
"Nirgendwo sonst aber," so Sharpe "haben sie diese
Methode so perfektioniert und weiterentwickelt, wie in den
Gewässern Alaskas." Aktuelle Ergebnisse weisen darauf hin,
daß jedes Gruppenmitglied bei den Buckelwalen seine eigene
festgelegte Aufgabe im Rahmen dieser Ernährungsstrategie hat.
Einige geben beispielsweise schrille Töne ab, die unter Wasser bis
zu 20km weit zu hören sind. Dieser Bestandteil der gesamten Taktik
soll wohl die Beute - in der Regel Heringe - erschrecken und in eine
Richtung treiben, in der andere Wale schon darauf warten, die Fische
in einem kreisförmigen Netz aus Luftblasen einzuschließen.
Hochempfindliche Unterwassermikrophone haben enthüllt, das sogar
die aufsteigenden Luftblasen Geräusche verursachen, die dann die
Heringe innerhalb des Netzes immer weiter Richtung Meeresoberfläche
treiben. Wenn sich ausreichend Fisch im Blasennetz gesammelt hat,
stoßen die Buckelwale schließlich von unten durch das Netz und
schlucken auf ihrem Weg nach oben einen Großteil der gefangenen
Fische.
Die Forscher kennen die Wale der Chathaim Strait mittlerweile so
gut, daß sie die einzelnen Tiere anhand von Flukenmarken oder ihrer
unterschiedlichen Stimmen identifizieren können.
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Die Gewässer süd-östlich
Alaskas. Hier sammeln sich im Sommer die Buckelwale zur
gemeinsamen Nahrungssuche (map abcnews) |
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Teamwork
Jedes Jahr scheinen sich immer wieder die gleichen Tiere zu einem
Team zusammenzuschließen, das dann die gesamte Saison gemeinsam auf
Jagd geht. Zwei Wale, getauft auf die Namen "Big Mama" und
"Rake", waren z. B. schon 1980 auf Sharpe`s erstem Trip
zusammen auf Beutejagd. Erst kürzlich wieder wurden sie zusammen
gesichtet.
"Es scheint eine nicht-erotische Beziehung zwischen
zwei Weibchen zu sein," sagt Sharpe. Sie bilden ein Team für
die Jagdsaison, gehen aber das restliche Jahr ihre eigenen Wege.
Trotzdem finden sie immer wieder zum gleichen, gemeinsamen
Nahrungsort zurück. Wie auch all die anderen Buckelwale, so
brauchen Big Mama und Rake Fettreserven für die siebenmonatige
Paarungssaison vor Hawaii.
Sharpe hofft, daß seine Forschung Antworten auf
einige der grundlegendsten Fragen geben wird. Sind die vielen
Walschulen vor Alaska zum Beispiel alle Angehörige einer Familie
oder sind es nichtverwandte Tiere, die sich nur zum
gemeinschaftlichen Jagen zusammentun?
Pfeile im Rücken
Die Wissenschaftler an Bord der Evolution schießen kleine
Pfeile auf die vorbeischwimmenden Wale, um so Gewebeproben von den
Tieren zu erhalten. Diese Proben werden dann für eine DNA-Analyse
nach Australien geschickt. Und egal wie die gesuchten Antworten
ausfallen, für die Crew der Evolution bedeutet ihre Arbeit auf
jeden Fall einen Gewinn. Die meisten Tierarten, die im Verband auf
Nahrungssuche und Jagd gehen, sind miteinander verwandt. Nur die
großen Wale reisen nach den bisherigen Erkenntnissen nicht im
Familienverband. So sind die Buckelwale vor Alaska entweder im
Tierreich einmalig - wenn sie nicht miteinander verwandt sind -,
oder sie sind einmalig in der Welt der Wale - wenn es sich bei ihnen
tatsächlich um Familienmitglieder handelt.
Die Evolution liegt über den Winter
wieder in ihrem Heimathafen Seattle. Aber auch im Sommer 2003 wird
sie wieder zu den Walen Alaskas zurückkehren.
Wissenschaftsjournalist Lee Dye's Kolumne
erscheint jeden Mittwoch auf ABCNEWS.com
Übersetzung von TO |
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