Aufdringliche Verehrer
Männliche See-Elephanten gehören wohl zu den hartnäckigsten Liebhabern im Tierreich. Da sich die großen Leitbullen direkt ein ganzes Harem halten, versuchen die jüngeren Männchen, durch sehr direkte Annäherungsversuche zu ihrem Glück zu kommen. Doch sie haben die Rechnung ohne die Weibchen gemacht.

Auf Sealion Island, einem zur Gruppe der Falklandinseln gehörenden Stück Fels im Indischen Ozean, geht es wild zu. In einer kleinen Bucht liegen Hunderte von Südlichen See-Elephanten dicht an dicht. Ein ständiges Schnauben, Grunzen und Stöhnen erfüllt die Luft. Inmitten einer Gruppe von Weibchen ragt ein massiger Körper heraus. Es ist ein großes, älteres Männchen, der Leitbulle und Haremsbesitzer, der ein waches Auge auf seine umliegenden Mätressen hat. Ihm droht Konkurrenz vom Rande der Gruppe, wo Jungbullen immer wieder versuchen, sich mit einem der dort liegenden Weibchen zu paaren. Werden sie vom Hausherrn bemerkt, haben sie nur kurze Zeit, um ungeschoren wieder das Feld zu räumen. Ansonsten prescht der Altbulle mit einer für sein enormes Gewicht und Ausmaß erstaunlichen Geschwindigkeit mitten durch die Kolonie. Lässt sich das junge Männchen dann fatalerweise auf einen Kräftevergleich ein, bekommt er die ganze Kraft und das ganze Gewicht des Haremsbesitzers zu spüren. Blutige und schwere Bisswunden können die Folge einer solchen Auseinandersetzung sein.

Doch nicht immer kann der angestammte Bulle ein Auge auf jede Ecke seines Territoriums haben. Dann müssen die viel kleineren Weibchen sehen, wie sie den Zudringlichkeiten der anderen Männchen entgehen können. Italienische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die Weibchen Strategien entwickelt haben, um so wenig wie möglich behelligt zu werden. So suchen sie sich zum Ruhen bevorzugt die größeren Harems aus. Hier ist die Wahrscheinlichkeit, dass das einzelne Weibchen von einem fremden Männchen attackiert wird, weitaus geringer als in einem kleinen Harem. Zudem verursacht ein sich näherndes Männchen in einem großen Harem viel mehr Aufruhr als in einer kleinen Gruppe, was den Haremsbesitzer dann schneller auf den Plan ruft. Darüber hinaus passen die Weibchen auch den höchsten Stand der Flut ab, um die Kolonie aufzusuchen oder diese zu verlassen. Dadurch müssen sie zwischen Wasser und Kolonie nur eine kurze Strecke auf Land zurücklegen, was den lauernden Männchen weniger Gelegenheit gibt, ihrer Libido freien Lauf zu lassen.

Doch hat jede Medaille auch ihre zweite Seite. So beobachteten die italienischen Forscher erstaunt, dass die Weibchen einem Seitensprung nicht immer abgeneigt sind. Handelt es sich bei dem fremden Verehrer um ein kräftig gebautes Männchen, waren Protest und Widerstand der Weibchen nicht so stark, wie bei einem jüngeren und kleineren Männchen. Scheinbar wie im echten Leben: es muss nur der richtige Typ kommen, dann kann man schon mal schwach werden! So einfach interpretierten die Meeresbiologen ihre Beobachtungen jedoch nicht. Sie sind überzeugt, dass die Weibchen sich einfach den stärkeren Männchen ergeben und es dann gezwungenermaßen zur Kopulation kommen lassen. Würden sie ihnen nämlich einen Korb erteilen, könnten sie durch das nachfolgende aggressive Verhalten des Abgewiesenen ernsthaft verletzt werden.