"Walsieg" über Politik & Industrie

Baja California, Mexiko, 7. März 2000 - Nach jahrelangen Protesten von Natur- und Tierschützern hat der mexikanische Präsident die Pläne zum Bau einer Salzgewinnungsanlage in einem Walaufzuchtgebiet endgültig gestoppt.

Die Lagune San Ignacio, einer 1993 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärten Naturregion, ist eines der wichtigsten winterlichen Aufzuchtgebiet für Grauwale. In dieser sensiblen Region plante die mexikanische Regierung in Zusammenarbeit mit Mitsubishi eine Salzgewinnungsanlage, die der Lagune pro Sekunde 20.000 Liter Meerwasser entzogen und entsalzt hätte.

In einer kaum vergleichbaren Protestaktion formierten sich Umweltschützer, Wissenschaftler und bekannte Showgrößen zu einer Lobby, die mit millionenschweren Etats eine umfangreiche Aufklärungsarbeit für die Öffentlichkeit leistete. Sie überzog Mitsubishi allein in diesem Jahr mit Anzeigen wegen Verstoßes gegen Umweltschutzrichtlinien in 290 verschiedenen Punkten. Die kalifornische Küstenkommission sprach sich bereits in den Anfängen der Planung offiziell gegen die Entsalzungsanlage aus. Große amerikanische Investmentfirmen stoppten für Mitsubishi geplante Investmentvorhaben oder zogen schon gewährte Gelder zurück. Einmalig und wegweisend für den gesamten Bereich des zukünftigen Umweltschutzes war wohl die Bildung einer derart geschlossenen Front gegenüber einem doch so mächtigen Industriekonzern wie Mitsubishi und der Regierung eines fremden Landes. Joel Reynolds, Mitglied des amerikanischen "Natural Resources Defence Council" nannte dies "eine der wichtigsten Umweltentscheidungen, nicht nur für Mexiko sondern für die ganze Welt!".

So scheint der kalifornische Grauwal einer etwas besseren Zukunft entgegen zu sehen als es vor 150 Jahren der Fall war. Im 18. Jahrhundert hatte der Mensch den Grauwal-Bestand schon bis an den Rand der Auslöschung bejagt. Um 1900 war die gesamte Population von ehemals ca. 25.000 Tieren auf wenige Hundert abgefallen. Erst strikte Schutzmaßnahmen und Fangverbote führten dazu, dass der pazifische Grauwal mittlerweile wieder eine Bestandsgröße von ca. 22.000 Tieren aufweist.

Wie es den Walen weiter ergehen wird, darum kümmert sich unter anderem Stefan Ludwig, Meeresbiologe aus Kiel. Er ist zur Zeit in Mexiko und untersucht die Wale der Lagune San Ignacio mit Hilfe von Satellitensendern und Fahrtenschreibern. In Zusammenarbeit mit einem ganzen Pool internationaler Wissenschaftler, wird er vor Ort sicherstellen, dass auch in Zukunft der Schutz derart sensibler Regionen oberste Priorität vor den kommerziellen Interessen von Industrie und Politik hat. "Walsiege" der ganz anderen Art!  

 

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Amerikanische Forscher untersuchen ein Grauwaljunges

 

 

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Können wieder ohne Gefahr auftauchen: die Grauwale in der Lagune San Ignacio

 

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Verdunstungsfläche soweit das Auge reicht. 160 Quadratmeilen wollte Mitsubishi unter Wasser setzen.