| Auf
Kollisionskurs mit der Natur?
Umweltschützer auf den Kanarischen Inseln
zeigen sich besorgt über die zunehmende Anzahl von Kollisionen
zwischen Schnellfähren und Meeressäugern
CANARY ISLANDS, 16.02.00 - Auch auf Wasser schnell voranzukommen,
ist mittlerweile in vielen Meeres- und Küstengebieten ein
angestrebtes Ziel. Die dafür eingesetzten Schnellfähren -
Hydrofoils oder Jetfoils - können Geschwindigkeiten von über
70km/h erreichen. Ein Tempo, daß zwar kurze Reisezeiten garantiert,
daß aber auch keine Möglichkeit mehr für kurzfristige
Ausweichmanöver läßt.
Dieser Umstand ist mittlerweile zu einer ernsten
Gefahr für Wale, Delphine und Robben geworden, die in den
entsprechenden Regionen beheimatet sind. Jüngstes Beispiel ist die
Einführung von Schnellfähren zwischen den Kanarischen Inseln vor
einem Jahr. Insbesondere auf der Route zwischen La Gomera und
Tenerifa verzeichneten ansäßige Umweltschützer schon innerhalb
der ersten Monate vier durch Kollisionen verendete Delphine . Die
Dunkelziffer wird noch höher liegen, da nicht alle toten Tiere an
den Stränden angeschwemmt werden und die Fährgesellschaft auch
keine offiziellen Meldungen über stattgefundene Kollisionen machen.
Umweltschützer Darius Gonzalez Alvarez aus
Tenerifa betrachtet diese Entwicklung mit Sorge und appelliert an
die "scientific community" der Meeressäugerforschung,
schnellstmöglich Fakten zu diesem Problem zu sammeln.
Auch in anderen Ländern hat der Einsatz von
Jetfähren zu kontroversen Diskussionen geführt. Englische
Wissenschaftler führen gerade eine Untersuchung über
Kollisionsereignisse in englischen Gewässern durch. In Florida ist
mittlerweile fast jedes zweite Manatee durch Zusammenstöße mit
Schiffen gezeichnet. Dort sind es zwar nicht die Schnellfähren,
aber schon die große Anzahl an Sportbooten führt regelmäßig zu
Unfällen. In Deutschland betrifft es vor allem die Deutsche Bucht
und das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Es besteht bereits eine
Schnellfährenverbindung zwischen Hamburg und der Insel Helgoland.
Die Einrichtung einer Verbindung zwischen Hamburg und Sylt konnte
von Seiten der Naturschützer mit Hinweis auf das Walschutzgebiet
vor Sylt gestoppt werden. Die verantwortliche Fährgesell- schaft
prüft jedoch stattdessen nun eine Linienführung nach Wittdün auf
Amrum.
Greenpeace warnt auch hier vor dem Einsatz von
schnellen Wasserfahrzeugen. Neben der Kollisionsgefahr üben die
Fähren durch Unterwasserlärm und starke Heckwellen auch eine
Scheuchwirkungen auf Meeresvögel und Meeressäuger aus. Langfristig
ist daher mit einer dauerhaften Entwertung
des Naturraumes und einer direkten Gefährdung der Tierwelt zu
rechnen. |