Fett, fetter, am fettesten!
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Ein mächtiger See-Elefant inmitten seines Harems -  lautstark demonstriert er seine Dominanz. Größe spielt eine wichtige Rolle im Leben dieser Robben; je kräftiger und schwerer desto größer ihre Chance auf eine erfolgreiche Fortpflanzung.
(Burney LeBoeuf/UCSC)

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Wenn ein Tier seinen Namen verdient, dann mit Sicherheit der Nördliche See-Elefant, der tatsächlich wie das Ergebnis einer Liason zwischen einem Elefanten und einer Robbe aussieht. Aber er versteht es auch, das Beste aus seiner Figur zu machen!

Man kann es auf einen Nenner bringen: er muß fett werden! Wirklich fett! Nur die größten und mächtigsten See-Elefanten haben die Chance, erfolgreich um Weibchen zu konkurrieren.

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Telemetrie-Studien zeigen, wie weit der Nördliche See-Elefant schimmt, um zu seiner fettreichen Beute zu gelangen.
Neue Technologien, wie zum Beispiel Satellitensender, haben enthüllt, welche Strecken die größte Robbenart zurücklegt, um genug Reserven für die jährliche Paarungssaison zu gewinnen. 

Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Santa Cruz haben in den letzten vier Jahren Satellitensender auf den Rücken weiblicher und männlicher See-Elefanten geklebt, mit deren Hilfe sie die Reiserouten der Tiere auf offener See verfolgen konnten. Es scheint, daß die während auf Land so enge Bindung zwischen Männchen und Weibchen nach der Paarungszeit nicht mehr besteht. Und das hat nichts damit zu tun, daß die auch nicht eben grazilen Ladys ihre Verehrer mit den unförmigen Nasenfortsätzen unansehlich finden.
Im März, gegen Ende der Brutperiode, verlassen die Weibchen als erste die Inselgruppe Año Nuevo, die knapp 100km südlich von San Francisco Schauplatz des Paarungsgeschehen und der Jungenaufzucht ist. Sie ziehen durch die Weiten des Pazifischen Ozeans, immer auf der Suche nach ihrer Hauptbeute - dem Tintenfisch. Schon im Mai kehren sie jedoch wieder zum Fellwechsel auf ihre Felseninseln zurück, um danach endgültig für längere Zeit - acht Monate - auf Beutejagd zu gehen. Die Männchen bleiben im Frühjahr zunächst vier Monate auf See und vollziehen ihren Fellwechsel erst in den Sommermonaten. Aber auch für sie heißt es dann für weitere vier Monate fressen, fressen, fressen!

Im Rausch der Tiefe
Frühere Studien an der Universität von Kalifornien haben schon gezeigt, daß See-Elefanten zu den überragendsten Schwimmern - oder besser gesagt Tauchern - gehören. Tauchtiefen unter 1600 Metern und Tauchzeiten von über einer Stunde sind keine Seltenheit.
Doch hohe Leistungen brauchen auch viel Energie. So ziehen die Männchen entlang der Küsten Oregons, Washingtons und von British Columbia weiter in den Golf von Alaska sowie zu den Aleuten. Sie legen dabei eine Gesamtstrecke von über 5000km zurück.

Auf die gleiche Reise wie die Männchen von Ano Nuevo machen sich auch die männlichen See-Elefanten der anderen beiden Hauptbrutplätze San Miguel Island vor Kalifornien und Guadalupe Island vor Mexico. Es ist ein gefährlicher Weg hinauf in den Norden. Killerwale und Haie säumen die gesamte Reiseroute und warten im wahrsten Sinne des Wortes auf fette Beute. Die meisten See-Elefanten schaffen jedoch ihre Strecke und es lohnt sich für sie allemal! Am gesamten Kontinentalschelf der amerikanischen Landmasse finden sie eine große Vielfalt an bodenlebenden Fischen - ihre Lieblingsspeise. Ein wichtiger Umstand, um später auch das angestrebte Gesamtgewicht von knapp 3 Tonnen zu erreichen. Die Zielpunkte der Reise sind jedes Jahr die gleichen und sie werden wie nach der Uhr gestellt, regelmäßig wieder aufgesucht. Das Resultat dieser extremen Beutezüge ist ein markanter Größenunterschied zwischen männlichen und weiblichen See-Elefanten.

Die Weibchen: kleine Ein-Tonner
"Männchen sind drei bis zehn mal größer als die Weibchen" sagt Burney LeBoeuf, Biologieprofessor an der UCSC. Nach 30 Jahren See-Elefantenforschung ist er wohl die größte Koryphäe unter den Robbenforschern. "Männchen sehen im Vergleich zu Weibchen fast wie eine ganz eigene Art aus. Und da nur die größten Tiere zur Reproduktion gelangen, werden diese Robben mit jeder Generation mächtiger," fügt LeBoeuf hinzu.

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Die großen, ausgewachsenen Männchen kommen zur Paarungszeit an Land und kämpfen darum, ein Harem zu bilden oder wenigstens ein Weibchen zu erobern. (Burney LeBoeuf/UCSC)

Uber 5000 See-Elefanten geben sich in der winterlichen Werbungszeit ein Stelldichein auf Año Nuevo, wobei sie jährlich zur immer gleichen Felseninsel zurückkehren. Für die meisten der männlichen Tiere bedeutet diese Phase jedoch eine Zeit voller Frustration. Sie unterliegen ihren stärkeren Konkurrenten. "Die Gewinner in diesem Spiel paaren sich innerhalb einer Saison nicht selten mit 150 oder mehr Weibchen," sagt LeBoeuf. "Ein Bulle kann das vielleicht für vier Jahre hintereinander schaffen, bevor auch er unterliegt. Zwischenzeitlich kommen aber 90% seiner Mitstreiter - trotz hoher Libido - überhaupt nicht zum Zuge. Es ist jedes Jahr wieder ein neuer Kraftakt. Entscheidend ist die Fähigkeit zu kämpfen und der einfache Umstand, größer und fetter als die anderen zu sein.

Fressen, was das Zeug hält!
Mit diesem Hintergedanken im Kopf, machen sich die Männchen alljährlich auf zu ihren Nahrungsgründen. Sie erhöhen dadurch jedoch nicht nur ihre Chance beim Kampf mit dem nächsten Rivalen, sondern beeinflussen auch drastisch ihre eigene Lebenserwartung. "Weibchen werden ca. 18 bis 20 Jahre alt," sagt LeBoeuf, "Dagegen haben wir noch kein Männchen gesehen, was älter als 14 Jahre war." Die Folgen einer fettreichen Kost und damit ungesunden Lebensweise?

Ihre Informationen erhalten die Forscher mit Hilfe kleiner Meßinstrumente, die sie den Tieren - im letzten Jahr 27 Männchen und 20 Weibchen - aufkleben. Doch gestaltet sich eine solche Ausrüstung mit Geräten zur Datenfernerkundung gar nicht so einfach. See-Elefanten reagieren auf Annäherung sehr agressiv, insbesondere die Weibchen, die ihre Jungtiere schützen wollen. Aus diesem Grund setzen die Forscher Narkosegewehre ein, die die Tiere für einige Zeit ruhig stellen. Damit ist die Gefahr aber nicht gebannt. Die Tiere liegen sehr eng beieinander und wenn auch das Tier, das zur Ausrüstung vorgesehen ist, narkotisiert wurde, so sind es die umliegenden Tiere nicht. Eine ständige Sorge für alle anwesenden Wissenschaftler und Studenten."Man muß sich nur einmal kurz auf eine Sache konzentrieren und schon wird man von hinten gebissen," berichtet LeBoeuf. Das tut nicht nur verdammt weh, sondern führt in der Regel auch zu bösen Infektionen. Zudem ist es nicht die Gefahr gebissen zu werden allein. See-Elefanten können sich erstaunlich behende auf Land bewegen und ihr Opfer einfach überrollen. "Die ersten Schritte in der Kolonie sind wichtig," sagt Bourney. "Wenn Du hinfällst, haben sie dich!". Späte Rache? Historisch betrachtet, haben See-Elefanten nämlich gute Gründe, den Menschen zu fürchten.

Phoenix aus der Asche
Im 18. Jahrhundert wurden See-Elefanten bis an den Rand des Aussterbens gejagt. Man wollte ihnen weniger ans Fell als an die pro Tier bis zu 700 Liter Öl, das für verschiedenste kommerzielle Zwecke genutzt wurde. 1880 stellten Mexico und die Vereinigten Staaten See-Elefanten schließlich unter Schutz, was zu einer erstaunlich schnellen Erholung des gesamten Bestandes geführt hat. Heutzutage leben etwa 15.000 Nördliche See-Elefanten im Nord-Pazifik und scheinen sich auch weiterhin gut zu entwickeln. See-Elefanten mögen in unseren Augen vielleicht nicht gerade niedlich sein, aber sie enthüllen, welch "gewichtige" Reisen manche Arten unternehmen, allein um ihre Gene zu sichern.

Lee Dye’s Berichte erscheinen regelmäßig auf Ozeane.de. Lee war Wissenschaftsjournalist der Los Angeles Times und lebt nun als freier Autor und Journalist in Juneau, Alaska.