| Mensch &
Delphin - eine wahrhafte Freundschaft?
Jedes Jahr versuchen mehr und mehr Touristen,
in Kontakt mit Vertretern der Flipper-Familie zu treten. Aber sind
wir wirklich willkommene Besucher oder unerwünschte
Eindringlinge?
von Laura Bly, USA TODAY
DUCK KEY, Florida, — Vergessen sie den Grand Canyon,
vergessen Sie auch die Freiheitsstatue und die amerikanische Maus
mit den großen Ohren! Was die Engländerin Beverly Hertzberg
tatsächlich zum ersten mal in die Vereinigten Staaten gelockt hat,
war die Aussicht, einen verspielten 17-Jährigen namens Sebastian zu
treffen. "Ich war schon immer verrückt nach Delphinen,"
sagt die sichtlich beeindruckte Touristin, die $86,- gezahlt hat,
nur um den Bauch des 420 Pfund schweren Delphins Sebastian von einer
Schwimmplattform im Haws Cay Resort aus zu tätscheln.
Das Haws Cay Programm, mit einer zweimonatigen Warteliste, ist eine
der weltweit über 100 Möglichkeiten, mit wilden Delphinen zwischen
Australien und den Azoren in Berührung zu kommen. Vom Sea World
Besuch bis runter zur esoterisch angehauchten Selbstfindung eines
New-Age-Therapeuten in einem Kanu, alle Versuche, den Delphinen
näher zu kommen, eint ein universeller Glaube: mit diesen wilden
Tieren auf eine Ebene gelangen zu können.
Aufgrund der Rettung Schiffbrüchiger verehrt von
den alten Griechen, bekannt als dauernd grinsender Fernsehstar und
von unzähligen Firmen als Werbeträger herangezogen, der Delphin
hat sich zum Kuscheltier der Meere entwickelt. Ein IMAX-Film und
zwei begleitende National Geographic Society Bücher über
Meeressäuger werden noch diesen Monat auf den Markt kommen. Im
Sommer 2000 öffnet die Sea World Discovery Cove, ein Themenpark in
Orlando, Florida. Er lädt die Heerscharen von Touristen dazu ein,
"den verspielten Stupser eines Delphins zu spüren, während
man mit ihm in einer Meereslagune schwimmt." Diese Attraktion
wird dann nur eine von insgesamt 18 Programmen in Amerika sein, bei
denen der Mensch sich zu den Klein-Meeressäugern ins Wasser
gesellen kann.
Doch die steigende Popularität der Delphine hat auch eine stark
emotional geführte Debatte angestachelt, in der sich
Meeresbiologen, Tierschützer und Vertreter der
"Delphin-Industrie" über Sinn und Unsinn des "Mit-den-Delphinen-schwimmen"
auseinandersetzen. Befürworter experimenteller Programme
argumentieren, daß ein mit Zurückhaltung und Gespür
durchgeführtes "Mensch-Delphin-Rendezvous" mehr für den
Schutz dieser Meeressäuger leisten kann, als die Beobachtung aus
der Ferne.
In Hawk`s Cay und anderen U.S.- Centern, die Delphinprogramme
anbieten, werden die Besucher in unterschiedlichsten Bereichen auf
den Kontakt mit Delphinen vorbereitet: vom Anatomie-Grundkurs über
Verhaltensregeln beim Schwimmen (keine plötzlichen Bewegungen,
niemals die Augen oder das Blasloch berühren) bis hin zur
Einführung in die Meeresbiologie - erst danach geht es ins Wasser.
"Die Sterblichkeitsrate von wildlebenden und
Gefangenschaftsdelphinen ist statistisch fast die gleiche,"
sagt Naomi Rose, Meeressäuger-Forscherin der amerikanischen Human
Society. "Aber," fügt sie hinzu, "es existieren
keine Langzeitstudien darüber, ob diese Schwimmprogramme die
gefangenen Delphine unter zusätzlichen Stress setzen!"
"Zudem fördern die Mensch-Delphin-Interaktionen das
Flipper-Mysterium und die "Disneyfikation" des
Wildlebens," sagt Rose, " indem sie suggerieren, daß die
Tiere genauso gerne mit uns zusammen sein wollen, wie wir mit
ihnen." Sie führt fort: " Wären sie nicht durch das
angebotene Futter und die konstant gleichen Bedingungen förmlich
einer Gehirnwäsche unterzogen, würden sie sich uns gar nicht
nähern! Wilde Delphine, die sich unseren Booten nähern, verlieren
schnell das Interesse an uns. Es sind niemals die Menschen, die sich
zuerst zurückziehen, es sind immer die Tiere!"
"Darüber hinaus verdrängen die menschlichen Liebesaffären
mit Delphinen die Tatsache, daß es sich bei diesen Tieren um
wildlebende Räuber handelt, deren Verhalten nicht vorhersagbar
ist," ergänzt Trevor Spreadlin, ein Delphin-Experte des
National Marine Fishery Service. "Das ganze gipfelt dann in der
bisher wissenschaftlich nicht bewiesenen Annahme, daß Begegnungen
mit Flipper physische und emotionale Krankheiten heilen könnten.
Die Leute glauben, daß Delphine freundliche und gütige Wesen sind,
aber das ist einfach nicht wahr," meint Spradlin. "Es ist
eine Sache, ob sich eine Gruppe von Delphinen einem Boot nähert, um
in seiner Bugwelle zu reiten, es ist aber eine andere, ob dieses
Boot auf die Delphine zuhält! Man erzwingt die Gewöhnung der
wildlebenden Tiere an den Menschen."
Er ergänzt, "Ich kenne kein terrestrisches Experiment, in dem
Menschen dazu ermutigt werden, mit wilden, räuberischen Tieren in
Berührung zu kommen." Spradlin`s Agentur hat aus den letzten
Jahren zahlreiche Dokumente gesammelt, die Verletzungen und
Unglücke bei Delphinberührungen zusammenfassen. Im Sommer 1999 zum
Beispiel, wurde eine junge Französin mit starken Bißwunden in die
Klinik eingeliefert, nachdem sie in Sarasota, Florida ihre Hand nach
einem Delphin ausgestreckt hatte. |
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| Zusammenfassung
Immer
mehr Anbieter ermöglichen es Touristen, mit
Delphinen zu schwimmen. Doch die Sache hat zwei Seiten! Wollen
diese Tiere, von denen wir so begeistert sind, auch wirklich
etwas mit uns zu tun haben? Steckt hinter einer scheinbar
übersinnlichen Verständigung nicht nur die tierische
Neugierde und das banale Verlangen nach Futter?
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Wildlebende Delphine zu füttern ist in den Vereinigten Staaten seit
1991 illegal. Ebenso wie jedes Verhalten, welches das Potential hat,
die Tiere in ihren Lebensäußerungen maßgeblich zu stören oder zu
beeinflussen. Die inhaltliche Auslegung dieser Regel liegt bei den
einzelnen Behördenvertretern - ein Umstand, den schon zahlreiche
Touristen und Bootsführer teuer bezahlt haben!
So verbleibt die "passive Beobachtung" von einem Schiff
aus und das Delphinschwimmen selbst in einer Grauzone, die von Fall
zu Fall ausgelegt wird. Das hat zu der undurchsichtigen Sachlage
geführt, daß ein Dutzend kommerzieller Anbieter von Hawaii bis
Florida Delphinfütterungen schon seit zum Teil 20 Jahren
unbehelligt anbieten können. Darunter auch die amerikanische Human
Society, die auf ihrer Webseite eine einwöchige
"Wassersession" anbietet, die Delphinkontakte beinhaltet
und die dazu verhelfen soll, "unsere Bindungen untereinander,
mit uns selbst und mit den Delphinen zu
vertiefen".
Viele Länder verfügen über keine expliziten Regeln oder Gesetze,
die den Mensch-Delphin-Kontakt kontrollieren. So z. B. Mexiko und
die Bahamas, wo man von Land oder dem Boot aus mit Tümmlern und
anderen Vertretern der Flipperfamilie spielen kann. Spradlin und
viele Meereswissenschaftler sind überzeugt, daß das minimalste
Risiko für Mensch und Tier nur bei den Gefangenschaftskontakten
besteht. Entsprechend sind kontrollierte Programme die Norm in
Amerika, vor allem, nachdem selbst gefangene Delphine schon
ausgeprägt aggressives und sexuelles Verhalten gegenüber Touristen
gezeigt haben. Doch die Durchsetzung erst 1998 verabschiedeter
Gesetze zur Kontrolle von Schwimmprogrammen wurde ausgesetzt. Es
kamen verstärkt Beschwerden darüber, daß die gesetzlichen
Vorgaben zu streng gefaßt worden sind. Die Webseite von "Dolphin
Plus" in Key Largo wirbt deshalb weiter mit täglichen
Schwimmstunden mit untrainierten Delphinen. Und obwohl die
Verletzungsrate bei Berührungen mit gefangenen Tieren vor 1994 bei
einer pro 10.000 Kontakten lag und die Interaktionen in den letzten
Jahren stark angestiegen sind, mußten die einzelnen Center seit `94
keine Verletzungen mehr an das dafür verantwortliche
Landwirtschaftsministerium melden.
Trotz "Free Willy" sind die meisten Delphine keine
geeigneten Kandidaten, um wieder ins Meer ausgewildert zu
werden," sagt Kathleen Dudzinski, Meeresbiologin und
Vizepräsidentin der Ocean Conservation Society. Ihre Arbeit an
Delphinen nahe der Grand Bahama Insel ist das Hauptthema des neuen
IMAX-Films "Delphine". Mit Blick auf die zunehmenden
Kontakte mit Meeressäugern meint Dudzinski, "Ich sage nicht,
daß nun jeder zu den Tieren ins Wasser springen sollte, aber der
beste Weg, etwas zu begreifen, ist, im nahe zu sein. Alle meine
Daten habe ich auf ECO-Tour-Trips gesammelt. Es wäre also
heuchlerisch von mir, diese Programme nicht zu unterstützen. Tim
Cahill, begeisterter Taucher und Autor von "Delphine",
eines der den IMAX-Film begleitenden Bücher, stimmt ihr zu. Ebenso
wie Beverly Hertzberg, die Londoner Touristin, die Tausende von
Kilometern für eine einzige Handberührung geflogen
ist.
Die menschliche Faszination und der Traum davon, mit den Delphinen
zu schwimmen, "existiert schon seit Menschengedenken,"
meint Cahill. "Ich glaube nicht, daß man diesen Traum jemals
stoppen kann. |
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Zum Vergnügen des Menschen!
Zum Vergnügen des Tieres?
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