Bedroht Walschutz Alaska`s Wirtschaft?

Umweltschützer möchten die Belugawale auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten setzen. Bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern wurde dieses Vorhaben stark kritisiert
ANCHORAGE, Alaska (Reuters) - "Schutzmaßnahmen für die schon seit Jahren zurückgehende Population der Belugawale im Cook Inlet könnten negative Folgen für die gesamte Wirtschaft in Alaskas dichtbesiedelster Region haben," so Wirtschaftsverteter auf einem Treffen am Montag den 12. Juli.

Eine Aufnahme der kleinen Weißwale in die Liste der bedrohten Tierarten belastet nach Meinung offizieller Stellen Unternehmen der Ölförderindustrie bis hin zu den Schiffsspediteuren für Konsumgüter durch zusätzliche Reglementierungen. "Das wird wieder so eine Eulengeschichte oder so ein Ding wie mit den Hühnerhabichten," meint Joe Griffith, Finanzvorstand der Chugach Electrical Association, dem Hauptstromlieferanten für Anchorage. "Die Schutzmaßnahmen für diese Tierchen haben die ganze Wirtschaft in den entsprechenden Regionen zerstört!".

Die Population der Belugawale im Cook Inlet, einem Wasserweg, der Anchorage mit dem Golf von Alaska verbindet, hat sich seit 1994 fast halbiert, berichtete der National Marine Fishery Service. Die Staatsbehörde zählte damals noch 650 Belugas. Dieses Jahr zählte sie nur noch 350 Tiere. Umweltschützer hatten deshalb einen Antrag gestellt, die Belugas als bedroht oder gefährdet auszuweisen. Ein Vorhaben, daß die offiziellen Wirtschaftsverteter auf dem Treffen am Montag mehr als beunruhigte. "Wir befürchten, daß die Antragsteller die Belugawale dafür benutzen, um wichtige ökonomische Aktivitäten in dieser Region zu blockieren," sagte Ken Freeman, geschäftsführender Direktor des "Resource Development Council of Alaska".

Andere Wirtschaftsverteter, die vor möglichen Folgen neuer Reglementierungen warnten, kamen aus den Reihen der Ölförderindustrie, der Sportfischer, Anchorage`s Abwasserbehörde und der Hafenbehörde. Viele meinten, daß die zunehmende Jagd durch Eingeborene und nicht die Industrie verantwortlich für den Rückgang der Belugas sei. Dem Gesetz nach dürfen die Eingeborenen - Eskimos, Indianer und Aleuten - Wale für den Eigenbedarf jagen. Judy Brady, Vorsitzende der "Alaska Oil and Gas Association" bemerkte jedoch, daß Walfleisch von Cook Inlet Belugas in örtlichen Geschäften verkauft werden würde.

Freeman sagte, daß die Wirtschaftsverteter die Fischereibehörden dahingehend unterstützen können, daß die Belugas verstärkt geschützt werden. Man solle jedoch nicht den folgenschwereren Schritt gehen, und diese Meeressäuger als bedrohte oder gefährdete Tierart ausweisen. Die Geschäftsleute sollten durchaus ihre Bedenken hinsichtlich der möglichen Folgen einer Überregulierung kundtun, führte er fort. Obwohl die örtliche Wirtschaft und Industrie nicht Teil des Problems sei, müßte sie Teil der Lösung des Problems sein.

Joel Blatchford, Walfänger und Vorsitzender des "Alaskan Native Marine Mammal Hunters Committee" verwarf die Anschuldigungen hinsichtlich der Überjagung der Wale. Die regionalen Jäger haben freiwillig die Jagd im Cook Inlet reduziert, und selbst Jäger aus anderen Teilen des Landes haben dem Moratorium zugestimmt, da die Belugazahlen so gering sind, so Blatchford. Weiter sagte er, daß die Wirtschaft die Folgen der Umweltverschmutzung um Anchorage unterschätzen würde: "Diese Leute ruinieren alles um uns herum, weil sie so verdammt industrialisiert sind". Die Jäger sind besonders wegen der Verschmutzung durch Kohlenwasserstoffverbindungen beunruhigt. "Öl tötet schnell," sagte Blatchford. "Obwohl sie uns dauernd erzählen, daß das Öl sich schnell verteilt - es tötet auch schnell!"

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Belugas werden auch Weißwale oder "Weißer Delphin" genannt

 

 

 

 

 

 

 

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Sonnenuntergang am Cook Inlet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Belugas sind sehr ruhige und sanfte Schwimmer, die selten springen