Artemis - der Stellersche Seelöwe

SAN FRANCISCO, Kalifornien - Ein unsicherer Blick aus der Transportkiste, ein weiterer Blick hinüber zu den Wissenschaftlern und dann war es nur noch ein kleiner Sprung, bevor der junge Seelöwe Artemis wieder zurück in die Freiheit kehrte.

Hinter ihm lag fast ein Jahr Aufenthalt im Marine Mammal Center in Sausalito bei San Francisco. Die junge Robbe war Mitte Juni 1999 von Wissenschaftlern der Universität von Santa Cruz, Kalifornien beobachtet worden, wie sie weit ab von ihren Artgenossen auf einem kleinen Felsen lag. Gerade erst geboren, und schon hatte die Mutter des Seelöwenbabys ihr Jungtier scheinbar verlassen. Die Forscher nahmen das Jungtier in ihr Boot und brachten es an einen großen Ruheplatz anderer Stellerscher Seelöwen. Drei Tage warteten sie dort auf die Rückkehr der Seelöwenmutter bevor das Marine Mammal Center um Aufnahme der Robbe gebeten wurde. Mit Einverständnis des National Marine Fisheries Service übernahmen dortige Wissenschaftler die Pflege und Aufzucht von Artemis, wie der Seelöwenjunge ab diesem Zeitpunkt genannt wurde.

Das Marine Mammal Center ist eine Aufzucht- und Rettungsstation für verletze und verlassene Meeressäuger. Besucher und Touristen von San Francisco fahren regelmäßig an dieser Einrichtung vorbei, ohne von ihrer Existenz zu wissen. Das Center liegt versteckt gegenüber von Sausalito und man muss direkt nach der Golden Gate Bridge stadtauswärts die erste Abfahrt nehmen, die Brücke unterqueren und zur Pazifikküste zurückfahren, um das Center zu finden. Ein Besuch lohnt sich, den ständig halten sich die verschiedensten Robbenarten in der Station auf. Veterinärmediziner und Wissenschaftler kümmern sich neben zahlreichen Freiwilligen um das Wohl der zumeist von Menschen (Fischern, Sportbooten usw.) verletzten Tiere.

So auch um Artemis, der in den zehn Monaten nach seiner Einlieferung große Fortschritte machte. Unterstützung bekam er vor allem von Trent, einem einjährigen Kalifornischen Seelöwen. Da Stellersche Seelöwenmütter sich etwa ein Jahr um ihr Junges kümmern und Artemis ziemlich alleine war, hatte man ihm kurzerhand den Kalifornischen Seelöwen als Begleitung ins Gehege gesetzt. Artemis war begeistert, in Trent vor allem ein lebendes Kopfkissen gefunden zu haben. Aber auch darüber hinaus entwickelte sich eine enge Freundschaft. So wurden beide schließlich Mitte dieses Jahres zusammen ausgewildert. Artemis bekam zuvor noch einen kleinen Radiosender sowie einen Satellitensender mit integriertem Fahrtenschreiber aufgeklebt. So erfuhren die Mitarbeiter und Wissenschaftler des Marine Mammal Center, dass Artemis mittlerweile schon 9 Minuten am Stück tauchen kann und dabei bis zu 175 Meter tief kommt. Ob ihm sein Freund Trent dabei geholfen oder ihn begleitet hat, wissen sie nicht. Auf jeden Fall haben sich beide wieder in ihren natürlichen Lebensraum eingegliedert und wurden auch schon auf den Ruheplätzen ihrer Artgenossen gesichtet.   


Artemis (links) und sein Freund Trent, der kalifornische Seelöwe

 


Die Auswilderungsbox -
erste Inspektion

 


Mit dem Boot hinaus auf`s Meer

 


Die Reiseroute von Artemis (anklicken)