Tod durch Giftalge?
Sterben Seehunde im Wattenmeer an einer Giftalge? Ein Bericht der Sylter Rundschau sorgt für Verwirrung
Mit "Panikmache" lässt sich wohl ein Bericht der Sylter Rundschau vom 19.5.99 beschreiben, der den schlagkräftigen Titel trug: "Sterben Seehunde an eingeschleppter Giftalge?". In dem halbseitigen Artikel wird eine mögliche Verknüpfung von Robben-Totfunden mit dem Auftreten der in die Nordsee eingeschleppten Alge "Fibrocapsa japonica"  hergestellt. Betrachtet man den Bericht etwas genauer, drängt sich schnell die Frage auf, vor welchem wissenschaftlichen Hintergrund diese Verknüpfung Bestand haben soll. Hinsichtlich der Ökologie der Alge, dem Aufnahmeweg durch höhere Tiere und der genauen Wirkweise der Algentoxine gibt es noch keine ausreichenden Erkenntnisse. Im Text heißt es entsprechend, dass "es möglich bzw. noch offen" sei, ob die Alge für steigende Totfundzahlen verantwortlich ist. Sicherheitshalber führt die Sylter Rundschau deshalb noch an, dass "Seehundjäger" einen Nahrungsmangel - also ein geringes Fischvorkommen in der Nordsee - als Ursache "ins Gespräch gebracht hatten". Letzterer Punkt ist auf der Grundlage aktueller Untersuchungen ebenfalls unhaltbar und stellt bestenfalls eine subjektive Meinung dar.

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass ein Bericht, der auf einer derart schlechten Tatsachen-Basis beruht, mehr als unmotiviert wirkt und besser noch ein Weilchen in der Schublade des Redakteurs geschlummert hätte. Der Artikel ist überflüssig und unnötig. Gerade mit solch sensiblen Themen sollte erst an die Öffentlichkeit gegangen werden, wenn fundierte Erkenntnisse vorliegen. Dies ist aber weder hinsichtlich der Alge noch im Hinblick auf einen möglichen Nahrungsmangel und ein daraus resultierendes Seehundsterben der Fall. Bei diesen Punkten handelt es sich gerade um Forschungsthemen, an denen Wissenschaftler des Instituts für Meereskunde und des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste noch arbeiten. Bevor hier keine gesicherten Ergebnisse vorliegen, werden von Forscherseite auch keine Stellungnahmen und erst recht keine wilden Spekulationen zur Ursache höherer Totfundzahlen bei Seehunden in Umlauf gebracht werden.       

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