Alaskas geheimnisvolle Wildnis

Ruhig gleiten unsere Kajaks dahin, schneiden die spiegelglatte Oberfläche der See wie scharfe Messer ein Stück Stoff. Die gleißende Mittagssonne verwandelt das Wasser in einen smaragdgrünen Teppich, der sich bis auf die letzte Naht an die zum Teil noch schneebedeckten Ufer des Fjordes anschmiegt. 

Es ist Juli und wir befinden uns im Südosten Alaskas, der sogenannten "Inside Passage". Dort wollen wir mit dem Kajak die Fjorde, Buchten und Wasserstraßen dieser landschaftlich einmaligen Region erkunden und vor allem nach Walen Ausschau halten. Vor zwei Tagen hatte uns das Flugzeug in Petersburg ausgespuckt. Mit einem Motorboot gelangten wir weiter zur LeConte Glacier Bay, wo wir unser Ausgangscamp bezogen. Den ersten Tag machten wir uns noch mit unserer Ausrüstung vertraut, lernten, mit den dort geliehenen Kajaks umzugehen und bereiteten uns abends am Lagerfeuer auf die nächsten zehn Tage vor. Tags darauf brachte uns ein Wasserflugzeug dann zum Big Creek Camp, dem eigentlichen Stützpunkt für unsere geplanten Whalewatching-Touren.

Alaska ist eine der wenigen Regionen auf der Welt, in der die Natur noch grenzenlos scheint. Man kann sich gut vorstellen, wie es hier vor der Zeit ausgesehen hat, als Menschen ihre ersten Siedlungen gründeten. Tiefe Fjorde mit eiskaltem Wasser, in denen es von Lachsen, Schwarmfischen und Plankton nur so wimmelt. Riesige Felsmassive mit einzelnen Plateaus, auf deren kleinen, ebenen Flächen sich eng stehende Koniferen den Platz streitig machen. Weiß-blaue Gletscher, die langsam, in für uns nicht fassbaren Zeiträumen dem offenen Meer zuwandern, unberührte Inseln und schließlich Finnen und Fluken, die immer irgendwo die Meeresoberfläche durchbrechen. Wale! Der Grund, warum wir eigentlich hier sind. Dick eingemummelt in unsere Fliesjacken legen wir die Paddel quer über das Boot, greifen nach Kamera und Fernglas und halten Ausschau nach dem nächsten Auftauchpunkt der schon wieder abgetauchten Wale. Wer die Wahrscheinlichkeit für Walsichtungen erhöhen will, muss - wie wir - seine Reise in den Zeitraum Juni bis September legen. Buckelwale beobachtet man zum Beispiel am besten zwischen Juni und Juli.

Der Südosten Alaskas ist der Ort, an dem zum ersten mal das sogenannte "Blasennetz-Fischen" der Buckelwale beschrieben wurde. Dabei zieht ein tauchender Wal unter einem Schwarm Fische eine kreisende Bewegung, wobei er ständig Luft ablässt. Auf diese Weise entsteht ein dichter Vorhang aufsteigender Luftblasen, der die Fische eingrenzt. Gleichzeitig stoßen die Buckelwale von unten in den kreisrunden Vorhang hinein, treiben die Fische an die Oberfläche, um sie dann mit geöffnetem Maul abzufischen. Eine einmalige Methode, die sich jedes Jahr wieder auf`s Neue beobachten lässt! Die Inside Passage ist eine der alljährlichen Endstationen der mächtigen Buckelwale, die nach ihrer langen Reise von den Hawaii-Inseln oder der Küste Mexikos in den Fjorden scheinbar unerschöpfliche Nahrungsgründe finden. Neben ihnen gibt es noch eine Reihe anderer Wale und auch Delphine, die sich in den kalten Gewässern des hohen Nordens tummeln. Schwertwale ziehen in Gruppen von 10 oder mehr Tieren zwischen den zahlreichen Inseln hindurch. Viele Orcas haben es dabei auf die Lachse abgesehen, die eine der wertvollsten marinen Proteinquellen darstellen. Andere Schwertwale, vornehmlich die Durchzügler in dieser Region, stellen Schweinswalen, Robben oder anderen Meeressäugern nach. Auch Zwergwale sind hier auf die Suche nach Plankton und kleinen Schwarmfischen. Touristen, können mit Glück auch schon mal einen der selteneren Fin-Wale zu Gesicht bekommen.

Das Angebot für Whalewatching in dieser Region ist ausgesprochen vielfältig. Zahlreiche Anbieter offerieren Tagesfahrten mit größeren Whalewatch-Schiffen. Ein- oder mehrtägige, geführte Kajak-Touren bringen die Walfreunde jedoch in direkten Kontakt mit den Riesen der Meere. Obwohl dies so nicht ganz richtig ist. Nach amerikanischem Recht ist es streng verboten, sich einem freilebenden Meeressäuger auf geringe Distanz zu nähern. Keiner hindert jedoch die Buckelwale selbst, ein auf dem Wasser ruhendes Kanu oder Kajak einmal näher in Augenschein zu nehmen. Diese Form der Begegnung mit den mächtigen Kreaturen der Tiefe ist das Eindrucksvollste, was man auf seiner Reise entlang der nordöstlichen Pazifikküste erleben kann. Um sich nicht selbst um den Spaß an der Walbeobachtung zu bringen, sollte man sich aber gut auf die möglichen Wetterbedingungen vorbereiten. Auf den Fjorden ist es auch im Sommer zum Teil extrem kalt. Zudem kann sich das Wetter jederzeit ändern, was auch Nebel und Regen beinhaltet. Ohne entsprechende Kleidung wird das Vergnügen also nur von sehr kurzer Dauer sein.

Wir sind mittlerweile wieder auf dem Rückweg zu unserem Basis-Camp. Der heutige Tag war geht mit einem wundervollen Sonnenuntergang zuende und bei ruhigem Wasser sind fast jedem von uns einmalige Aufnahmen springender Wale und wie schwerelos dahingleitender Delphine gelungen. Was mehr zählt, waren jedoch die Momente der unerzwungenen Nähe zu diesen eindrucksvollen Wesen, von denen sich viele mit Beginn des Herbstes wieder auf ihren Weg in den Süden machen. Dort wird uns dann unsere nächste Reise hinführen, in die Überwinterungsgebiete und Kinderstube der Buckelwale.  

Whalewatching-Links

Interessiert an Waltouren? Wir haben einige Anbieter und interessante Webseiten für den Südosten Alaskas herausgesucht:

Kajak-Touren

http://www.alaskakayak.com/

http://www.seward.net/kayakcamp/

http://www.anadyradventures.com/

http://www.pugetsoundkayak.com/

http://www.tongasskayak.com/

Weitere Links

http://www.gustavus.com/

http://www.dolphincharters.com/alaska.htm

http://www.juneaualaska.com/

http://victoriabc.com/index1.html

http://www.naturecruises.com/

http://www.alaskacharters.com/

Mit dem Kanu oder Kajak durch Alaskas Fjord-Welt

 

 

 

 

 


Die Fluke eines Buckelwales vor der Bergwelt Alaskas

 

 

 

 


Bei umsichtigem und ruhigen Verhalten tauchten die Wale zum Teil direkt neben unseren Kajaks auf.

 

 

 

 

 


Mit dem Wasserflugzeug zum entlegenen Basis-Camp