Wo ist das Meer?
Im Reich von Seegurke und Riesenhai 

Über zwei Drittel der Oberfläche unseres Planeten sind von Wasser bedeckt...  So beginnen fast schon klischeehaft die meisten der aktuellen Meeresbücher. 
Nun, genau genommen sind es 71 Prozent und auch der Weltatlas der Ozeane kommt in seiner Einleitung nicht um diesen Hinweis herum. Aber dieses Buch ist die konsequente Antwort darauf, dass wir eigentlich eher auf einem Wasserplaneten wohnen als auf einem Erdplaneten. Konsequent, weil es zwar zahllose Atlanten mit den Schwerpunkten Erdgeografie, Bevölkerung, Verkehr, politische Situation usw. gibt, aber keinen vergleichbaren zum Thema Meer. Höchste Zeit also, dem marinen Raum einen eigenen Atlas zu widmen – und der ist in der Neuauflage 2007 ausgesprochen gelungen.  

Der Diercke Weltatlas aus unserer Schulzeit war wohl oft genug Ausgangspunkt für Gedankenreisen fern ab von Unterricht und Lehrstoff. Man hat aber schon viel Fantasie gebraucht, um die zahlreichen Kartenzeichnungen wirklich mit Bildern fremder Länder füllen zu können...

Nicht so beim Weltatlas der Ozeane. Jeder Schüler wäre dankbar, dürfte er mit einem solchen Atlas so manch langweilige Erdkundestunde überbrücken. Mit zahlreichen Fotos und Illustrationen entführt die bereits dritte Auflage dieses umfangreichen Werkes in alle Meere der Welt. Fast die Hälfte des Buches ist eine spannende und übersichtliche Einführung in die verschiedenen Lebensräume der ozeanischen Welt. Das Buch leistet dabei eine Aufgabe, an denen viele andere Meeresbücher scheitern: die genaue räumliche bzw. geographische Zuordnung verschiedener Naturphänomene, besonderer Orte und Gegebenheiten. Dazu gehören u. a. die Wanderungen der Wale, die Drift der Eisberge, die Verschiebung der Kontinentalplatten, der Handelsverkehr über die Meere und nicht zuletzt die unterseeischen Orte mit besonderen Vorkommen an Bodenschätzen.

Der Weltatlas der Ozeane ist ein Kompendium voller Meereswissen, durch seine Bilder anschaulich gestaltet und sehr verständlich geschrieben. Er bietet dem Laien einen Überblick über die Ozeane unseres Planeten, hilft dem Meereskunde- oder Geografiestudenten bei so mancher Prüfungsvorbereitung und ist für jeden Leser eine überaus kurzweilige Lektüre.

Eine Besonderheit des Atlas sind vor allem die Tiefenkarten der Weltmeere, herausgegeben vom Kanadischen Hydrographischen Institut, die den zweiten Teil des Buches füllen. Mit unterschiedlichen, markanten Punkten als Aufhänger – z. B. Schärenwelt, Meer der Quastenflosser, Gebirgskreuzung im Indik etc. – geht die Reise rund um den Globus. Und wer zum Schluss mit trockenen Füßen wieder aus dem Buch aussteigt, ist mit Sicherheit fit für eine der nächsten Millionenquiz-Fragen von Günter Jauch.

"Weltatlas der Ozeane", Manfred Leier (Hrsg.) 
Frederking & Thaler, 200 farbige Abb. und Fotos, 176 Karten
lam. Pappband, 27,0 x 35,0 cm

ISBN: 3-89405-541-3
EUR 19,95 [D], 20,60 [A], CHF 35,00

- zurück -