|
Darf man
Menschenleben gefährden, um Tiere zu retten? Auch wenn durch die
zahlreichen Aktionen des Paul Watson bisher noch kein Mensch zu Tode
gekommen ist, so vertritt der engagierte Tierschützer hier doch
grundsätzlich eine sehr extreme Meinung. Der Mensch ist für ihn im
natürlichen Gefüge eine Art Parasit, der auf rücksichtslose wie
auch konsequente Art und Weise seine Umwelt ausbeutet. Ebenso
rücksichtslos und konsequent stellt sich Paul Watson vor allem den
kriminellen und illegalen Machenschaften einzelner Gruppen oder
Nationen in den Weg, die den qualvollen Tod von Tausenden
Meerestieren – insbesondere Walen – zur Folge haben.
 Schon als kleiner
Junge zerstörte Watson die Biberfallen in seiner Heimatstadt im
kanadischen New Brunswick und verhinderte, dass seine Kameraden mit
Gewehren auf Enten oder andere Wasservögel schossen. Heute ist es
vor allem die japanische Walfangflotte, die den Zorn des Paul Watson
fürchten muss. Mit unglaublicher Hartnäckigkeit und präzisem
Spürsinn heftet sich der ehemalige Kapitän der kanadischen Coast
Guard mit seiner schwarzen Flotte und gehisster Piratenflagge an die
Fersen der großen Walfangschiffe, um diese bei ihrem tödlichen
Geschäft zu stören.
 "Wir schreiten
ein" wurde geschrieben vom amerikanischen Journalisten Peter
Heller, der im Auftrag von National Geographic Adventure am
10. Dezember 2005 an Bord des Schiffes "Farley Mowat" ging
und mit Watson und seiner Crew zur Walfänger-Jagd in antarktische
Gewässer aufbrach. Die Beschreibung von sechs Wochen an Bord lesen
sich nicht nur wie ein Abenteuerroman, sondern vermitteln eine
Vielfalt an Informationen über die weltweiten Zusammenhänge beim
Meeres- und insbesondere Walschutz und zeugen vom unerbittlichen
Einsatz und Engagement des Kapitän Paul Watson gegen das
Abschlachten bedrohter Tierarten. Dass Watson dabei nicht nur sich
selbst, sondern auch das Leben seiner – durchweg freiwillig
mitarbeitenden – Crew-Mitglieder mehr als ein Mal aufs Spiel
setzt, lässt beim Lesen vielleicht Zweifel am Tun und Wirken des
unerbittlichen Tierschützers aufkommen. Andererseits wird dem Leser
aber auch bewusst, dass in jeder Minute mit der gleichen
Radikalität und Konsequenz das tierische und pflanzliche Leben auf
unserem Planeten vernichtet wird.
 "Wir schreiten
ein" ist ein Buch, dass uns vor Augen führt, auf welche Weise
und mit welchem Einsatz sich Menschen weltweit für die Umwelt
einsetzen, während wir in der Fußgängerzone mal wieder 50 Cent in
die Spendendose einer fragwürdigen Tierschutzorganisation werfen,
um so vermeintlich unser Gewissen entlasten. "Wir schreiten
ein" ist darüber hinaus nicht nur ein aktuelles Buch über den
modernen Walfang, sondern vermittelt auch einen Einblick in das
Wirken des Paul Watson bei seiner täglichen "Arbeit" auf
See. Was immer der Leser am Ende der Lektüre auch von Watson halten
mag, er und die Mitglieder seiner Organisation Sea Shepherd
zählen mit ihrem persönlichen und unbedingten Engagement zu den
wirkungsvollsten Umweltaktivisten, die sich dem Schutz der Tiere auf
unserem Planeten verschrieben haben.
 Anhang: Auch wenn
im Rahmen dieser Buchvorstellung kein direkter Vergleich des deutschen
Buches mit dem Original "The Whale Warriors" möglich ist,
so leistet sich die Übersetzung einen auffälligen Lapsus, der aber
– soweit aus der Lektüre der deutschen Version erkennbar
– nicht für weitere
Übersetzungs- bzw. Verständnisfehler steht. Ein U.S. Navy Seal
Combat Manual ist mit Sicherheit alles, aber kein "Robbenkampfhandbuch der
U.S.-Marine". Dass die Navy Seals eine Spezialeinheit
der amerikanischen Navy sind, weiß bereits ein 15-Jähriger mit
ausreichend Computerspiel-Erfahrung. SEAL ist dann ein Akronym aus
den Wörtern "Sea, Air, Land" und
wird als solches nicht direkt übersetzt. Wäre ja auch schlimm,
wenn ausgerechnet Tierschützer Paul Watson ein
"Robbenkampfhandbuch" im Schrank stehen hätte...
Peter
Heller
Wir schreiten ein
Der Kampf des Paul Watson gegen
die Walfangflotten der Welt
marebuchverlag
368 Seiten, gebunden mit zahlreichen Abbildungen
ISBN 978-3-86648-083-4
Preis € 22,90 |
|