Kleine Zelle, große Wirkung
Winzige
marine Einzeller in den Kampf gegen Klimakatastrophe, ungerechte Globalisierungsstrukturen sowie Hunger und Armut auf dem afrikanischen Kontinent zu schicken, ist schon mehr als ein ambitioniertes Vorhaben. Was kann ein Organismus von mikroskopischer Größe hier schon ausrichten?

Vieles! Wenn man ihm und seiner Verwandtschaft denn die Gelegenheit gibt, sich nach Herzenslust zu vermehren. Dann nämlich hat marines Phytoplankton das Potenzial, Energie zu erzeugen, neue Nahrungsmittel entstehen und neue Werkstoffe entwickeln zu lassen. Nach Autor Axel Limberg liegt hier einer der zentralen Schlüssel für die Lösung zahlreicher ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Zukunftsprobleme. So unscheinbar und ungenutzt die kleinen Meereszellen bisher daherkommen, in einer Welt von morgen könnten sie sich zu einem der wichtigsten und universell verfügbaren Rohstoffe entwickeln.

Lobbyisten gegen Visionen
Das Plankton-Manifest ist ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastisches Buch. Es spielt mit Szenarien und Entwicklungen, die jedem Science-Fiction-Autor gerecht werden würden – mit dem feinen Unterschied, dass es auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage fußt. Axel Limberg, ansonsten ein Journalist mit Schwerpunkt auf Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen, berichtet sorgfältig und ausführlich, welche neu entwickelte Zuchttechnologie die Mikroalgen in ihrer Bedeutung zukünftig auf die Weltbühne heben könnte. 

Limberg stellt aber auch dar, mit welchen Schwierigkeiten die an diesem Projekt beteiligten Wissenschaftler bereits kämpfen mussten und an welcher Stelle in Forschung, Politik und Wirtschaft bewusst und vorsätzlich gegen die Idee des Plankton-Manifests gearbeitet wird. So setzen große Energieunternehmen lieber auf "bewährte" aber eben klimawirksame Formen der Energiegewinnung, weil diese mehr Gewinn abwerfen. Zudem profitieren viel zu viele Länder, Konzerne und Unternehmen von einer Weltwirtschaft, in der finanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen.

Das Projekt läuft
Statt aber die dafür Verantwortlichen nun in die Wüste zu schicken, sind die beteiligten Wissenschaftler selbst in die Wüste gegangen. Hier nämlich haben sie – und da sollten alle übrigen Investoren, Konzerne und diejenigen aufhorchen, die sich grundsätzlich neuen Ideen verweigern – einen finanziell potenten Geldgeber und Unterstützer gefunden, der der marinen Agrarkultur in Form eines gewaltigen Politprojektes am Roten Meer eine Chance gibt. So fördert bereits seit mehreren Jahren ein Privatunternehmen im Besitz saudischer Familien die deutschen Wissenschaftler und ihr ehrgeiziges Vorhaben.

Inwieweit nun in den kleinen pflanzlichen Zellen das Potenzial dafür liegt, Klima, Weltwirtschaft sowie Hunger und Armut in Afrika zu beeinflussen, wird sich zeigen. Zumindest liegt in dem Buch "Das Plankton Manifest" das Potenzial, Neues und Ungewohntes zu denken und wieder Visionen zu haben, die dabei helfen, globale Probleme anzugehen. Und für alle Berufsskeptiker hält Autor Limberg am Schluss seines Buches einen Satz zum Nachdenken bereit: "Wer nicht an die Machbarkeit der Ideen in diesem Manifest glaubt, soll erklären, warum es möglicher sein soll, Menschen auf den Mond zu schicken".  

Axel Limberg
DAS PLANKTON MANIFEST

Edition Zaunkönig
176 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-00-023243-5

Preis € 16,90