Der Mann aus dem Meer
Jacques Cousteau war ohne Zweifel einer der größten Pioniere der Meeres- und insbesondere Unterwasserforschung. Technisch war seine Entwicklung eines Tauchgerätes mit Druckregulator der Schlüssel für die autonome Erkundung der Unterwasserwelt. Wissenschaftlich zählte Cousteau zu den Vollblut-Meeresbiologen, die ihre persönliche Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Politisch war der Franzose einer der engagiertesten und mit Sicherheit auch einflussreichsten Umweltaktivisten. Zahllose Gründe also, um mehr über das Leben dieses Mannes zu erfahren.     

Zunächst irritiert jedoch die Einleitung von Susan Schiefelbein. Auf knapp 30 Seiten gibt die Journalistin und Mitautorin bereits eine sehr umfangreiche Zusammenfassung der wichtigsten Stationen in Jacques Cousteaus Leben. Was sich in Aufbau und Stil von den nachfolgenden Kapiteln – in denen Cousteau dann selbst berichtet – nicht groß unterscheidet, irritiert aber mehr durch die Art und Weise, wie Schiefelbein erzählt. Von Heldentaten, Bewunderung und Lehren ist die Rede und der Leser hat unweigerlich den Eindruck, als fehle der Mitautorin die notwendige "journalistische" Distanz zu dem Menschen, dessen Leben sie nachfolgend in Worte fassen will. Susan Schiefelbein unterstreicht diesen Eindruck, indem sie die Einleitung mit der Anekdote beschließt, dass Cousteau die Erinnerung an eine Begegnung mit ihr zwanzig Jahre "wie einen Schatz" gehütet habe. Projektion wäre der fachliche Ausdruck, den die Psychologie dafür kennt.

 

Glücklicherweise ändert sich das mit Beginn des ersten Kapitels. Hier übernimmt – formal – Cousteau selbst das Ruder und berichtet aus seiner Sichtweise von knapp neun Jahrzehnten eines sehr bewegten und abwechslungsreichen Lebens. Für den Leser ist es eine bunte und spannende Reise, in der er nicht nur zahlreiche Geschichten vom Meeresforscher Cousteau, sondern auch vom Marinekapitän, Résistance-Mitglied, Umweltaktivisten und politisch interessierten Menschen Cousteau erfährt. 

Zeitweise erinnern die Erzählungen an die Figur Thomas Lieven, den Bankier, der in Simmels Roman "Es muss nicht immer Kaviar sein" als Protagonist ein wildes Agenten-Leben im Europa zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges führt. Cousteau wechselt dabei zwischen sehr plastischen Berichten über zum Teil lebensgefährliche Erlebnisse unter Wasser (bei denen im Laufe der Jahre auch mehr als ein Kamerad und Freund den Tod findet) und engagierten Plädoyers für das Ausleben des Entdecker- und Forscherdrangs im Menschen sowie den persönlichen Einsatz für Umwelt und Natur. Waren Cousteaus anfängliche Pioniertaten unter Wasser noch draufgängerisch und tollkühn, wandelt sich der Forscher mit der grenzenlosen Neugier zu einem verantwortungsvollen Expeditionsleiter, der die Gefahren der Tiefe für sich und seine Mitarbeiter erkennen und respektieren lernt.

Jacques Cousteau war ein Forscher, wie er im Buche steht. Seine Leidenschaft und Begeisterung für das Neue und Unentdeckte finden auf fast jeder Seite des Buches ihren Ausdruck. Nicht nur Anhänger von Cousteaus zahlreichen vorangegangenen Büchern und Filmen halten mit "Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus" eine spannende und lesenswerte Biografie in Händen. Diese lebt von der Authentizität der Worte eines Mannes, der in ein einziges Leben das gepackt hat, für das bei vielen anderen nicht zehn Leben ausgereicht hätten.

Verlagstext:

Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus
Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt

Eine ganze Generation von Fernsehzuschauern ist mit Jacques Cousteaus Fernsehserie »Geheimnisse des Meeres« aufgewachsen. In den letzten Jahren seines Lebens schrieb der Meeresforscher sein persönliches und umweltpolitisches Vermächtnis. Nun ist es – endlich! – erschienen.

Noch einmal nimmt Cousteau uns mit auf Expeditionen mit der »Calypso« und auf Tauchgänge in unbekannte Tiefen. Wir erleben mit ihm gefährliche Situationen unter Wasser – die nichts gelten angesichts der Faszination, welche die Schönheit der Natur auf Cousteau ausübt. Doch sein Buch ist auch ein umweltpolitisches Plädoyer: Er kämpfte gegen die Versenkung von Atommüll im Mittelmeer und erreichte, dass die Antarktis zu einer Schutzzone erklärt wurde. Noch Mitte der neunziger Jahre kritisierte er Präsident Chirac für die Atomtests im Südpazifik. Cousteaus Buch ist eine wunderbare Feier des bedrohten Lebens auf der Erde und ein eindringlicher Aufruf zu dessen Rettung, ob im Wasser oder an Land, ob Mensch, Oktopus oder Orchidee.

Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus
Mein Leben für die Erforschung und Bewahrung unserer Umwelt

Jacques Cousteau & Susan Schiefelbein
Campus Verlag
ISBN 978-3-593-38564-8, Preis € 24,90