Die Zauberkiste
Sportschuhe aus Fernost, Rotwein aus Chile oder Kiwis aus Neuseeland – was wir tagtäglich in deutschen Geschäften und Supermärkten kaufen, hat oftmals eine weite Reise hinter sich. Und diese weite Reise legt ein Großteil der Güter in einer Kiste zurück, die schon jedes Kind kennt: in einem Container.

1956 vom amerikanische Reeder Malcolm McLean für den Schiffsverkehr entwickelt, hat sich der Container bis zum heutigen Tag zum wichtigsten Transportbehälter im weltumspannenden Warenhandel entwickelt. Grund genug also, dieser Zauberkiste doch mal ein Buch zu widmen. Getan hat dies der Autor Alexander Klose, der auf einer Containerschiffsreise erstmalig über Herkunft, Aufgabe und Geschichte dieser Metallbox nachgedacht hat.

Aus diesen anfänglichen Überlegungen ist dann auch tatsächlich ein interessantes Buch geworden, dass nicht nur technophilen Menschen und Reedern eine kurzweilige Lektüre verspricht. Man muss sich allein vorstellen, welchen Siegeszug der Container auch außerhalb der Spediteursbranche angetreten hat. Wir finden ihn als mobile Polizeieinsatzstelle bei Groß-Events ebenso wie auf Baustellen, wo er – hoch und breit und quer gestapelt – die Belegschaft eines ganzen Archtektur- sowie Baubüros aufnehmen kann.

Bis es dahin kam, war es aber noch ein weiter Weg. "Das Containerprinzip" beleuchtet die historischen Vorgänger des Containers (Säcke, Amphoren und Holzkisten) sowie auch die Entwicklung der verschiedenen, heute im weltweiten Güterverkehr genutzten Containerformen. Spannend wird es da, wo sich die schweren Kisten öffnen und – aufgrund eines Unfalls bzw. einer Havarie – ihren verborgenen Inhalt preisgeben. So wie auch im Verlagstext zum Buch beschrieben: 

Als im Januar 2007 das in Seenot geratene Containerschiff MSC Napoli vor Cornwall einen Teil seiner Ladung verliert, gehen Bilder um die Welt, in denen am Strand des kleinen Urlaubsortes Branscombe Massen von Menschen angespülte Stahlkisten plündern. Endlich einmal öffnen sich jene geheimnisvollen Black Boxes, deren Inhalt wir fast nie zu sehen bekommen: Motorräder, Keksdosen, Hundefutter, Schuhe, Autoersatzteile - ein Querschnitt durch die Gegenwart des globalen Konsumkapitalismus.

Container sind das Medium der Globalisierung. Sie haben nicht nur eine umfassende Veränderung der Transportkultur auf See und an Land bewirkt, sondern maßgeblich zum Entstehen eines weltumspannenden Systems der Produktion und des Konsums beigetragen. Sie sind das Herzstück der Logistik, die seit dem 19. Jahrhundert ihren Siegeszug in alle Bereiche der Gesellschaft angetreten hat.

Alexander Klose nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise des Denkens in Behältern, hinein in spezifische 'Containersituationen': auf dem Meer, in der Stadt, in der Fabrik, im Hafen, im Theater, in der Wüste. Der Container ist eine moderne Antwort auf die uralte Frage nach der Organisation von Raum und Zeit. Standardisierte bewegliche Raumeinheiten, geschaltete Abläufe, getaktete Zeiten -  von dieser Welt aus dem Container und von den containerisierten Welten handelt Das Container-Prinzip.

Alexander Klose
Das Container-Prinzip
Wie eine Box unser Denken verändert
368 Seiten mit ca. 80 Abbildungen und Illustrationen
ISBN 978-3-86648-115-2.
Preis € 14,00